Maple Ridge: Anja Wenzel

Hallo, mein Name ist Anja Wenzel und für fünf Monate habe ich die Westview Secondary School in Maple Ridge, einer kleinen Stadt in der Nähe von Vancouver besucht. Von September 2008 bis Ende Januar 2009 hatte ich dort die wahrscheinlich beste Zeit meines Lebens. Es war eine sehr aufregende Zeit mit vielen Eindrücken und Erlebnissen in einem fremden Land.

Aber nun von vorne. Schon im Sommer 2007 war ich mir sicher, dass ich ein Halbjahr des 11. Schuljahres im Ausland verbringen möchte. Durch viele verschiedene Informationsabende erschien mir Kanada als das perfekte Land und iSt wurde die Organisation, über die alles organisiert werden sollte. So nahm ich an Infotagen teil und ein paar Monate vor der Abreise auch an einem Vorbereitungsseminar für Austauschschüler, die auch nach Kanada und in die Region um Vancouver gehen würden. Bei dem Treffen habe ich viele nette Leute kennengelernt und so wurde die Abreise aus Deutschland nicht ganz so schlimm.

Am 30. August 2008 stand ich dann traurig, aber noch viel aufgeregter am Flughafen in Düsseldorf. Nun würde das große Abenteuer, das man so lange geplant hat endlich beginnen. Der Flug nach Vancouver war lang, aber durch den Gruppenflug hatte man viel Spaß und konnte sich noch einmal über die Gastfamilien und die kommende Monate austauschen.

In Vancouver angekommen ging es dann mit einem typischen gelben Schulbus nach Maple Ridge. Die Aufregung wurde immer größer und schließlich wurden wir von unseren Gastfamilien abgeholt. Meine Gastmutter und meine japanische Gastschwester haben mich sehr herzlich empfangen und mich in mein neues Zuhause und zu meinen vier kleinen Gastgeschwistern (im Alter zwischen 3 und 8) und meinem Gastvater (40 und Police Officer) gebracht.

Nach einem Telefonat mit meinen Eltern in Deutschland, dass ich gut angekommen bin, habe ich mich noch mit meinen Gasteltern unterhalten und dann mein neues Zimmer bezogen, in dem einige kleine Geschenke auf mich warteten. Ich habe mich sofort wohl gefühlt und war am nächsten Morgen gespannt was nun passieren würde.

Nach einem gemeinsamen Frühstück mit der Familie war dann Zeit für einen Spaziergang, bei dem mir die Umgebung gezeigt wurde, einen Besuch im Supermarkt um Schulsachen zu besorgen und einen Abstecher zu IKEA um das Zimmer noch gemütlicher zu machen. Die Gastgeschenke wurden auch noch verteilt und meine Familie war sehr begeistert.

In den nächsten Tagen konnte ich mich dann einleben und dann ging das (Schul-)Programm los. An den ersten beiden Tagen standen Ausflüge zum Kanufahren und nach Vancouver Island mit allen neuen International Students an. Dadurch hat man die Leute kennengelernt mit denen man das nächste halbe Jahr verbringen würde und konnte erste Eindrücke von Kanada gewinnen. An den nächsten Abenden standen dann Besuche bei Starbucks und das Erkunden der neuen Umgebung an.

Am ersten Schultag waren dann aber alle wieder sehr aufgeregt, da wir nicht wussten was genau auf uns zukam. In der neuen Schule musste man sich erstmal zurechtfinden. Die Internationals hatten allerdings eine besondere Einführungsstunde um alles kennenzulernen.

Die Stundenpläne wurden verteilt und dann ging es in den Unterricht. Die Kanadier waren sehr freundlich und dadurch, dass man in fast jedem Kurs einen anderen Deutschen hatte, wurde es einem noch leichter gemacht.

Die Schule fing von nun an immer um 8.28 Uhr an (ausgenommen waren besondere ‚Late-Start’-Tage oder andere Ereignisse) und ging bis 14.37 Uhr. Der Tag bestand aus vier Schulstunden und einer Lunchbreak dazwischen. Insgesamt wählt man am Anfang 8 Fächer wie zum Beispiel Dance, Kochen, Marketing, Arts, Physical Education, Biology, Social Studies oder English. Diese Auswahl brachte Abwechslung in den Tag und machte das ganze sehr angenehm.

Die Lehrer and der kanadischen Schule warn sehr freundlich und standen einem immer mit ihrer Hilfe zur Seite und waren gute Ansprechpartner. Die Fächer sind im Allgemeinen leichter als in der deutschen Schule, weshalb es sinnvoll ist Fächer wie zum Beispiel Mathe der Stufe 12 zu nehmen.

Die Noten bestehen nicht wie in Deutschland aus einer schriftlichen und einer mündlichen Note. In der Regel verläuft der Unterricht so, dass der Lehrer redet und die Schüler Notizen machen und Aufgaben bearbeiten. Am Ende jeder Unit gibt es ein Quiz oder ein Unit Exam aus dem dann die Note erfasst wird.

Außerdem gab es während der fünf Monate immer wieder Assemblies, Konzerte, Sportveranstaltungen, wie Basketball oder Fußballspiele und Tanzaufführungen. Die Westview Secondary School bietet ein sehr großes Angebot an Sport und Musik. So kann man das Fußballteam, Basketballteam, Taekwondo oder Wrestling ausprobieren. Oder man besucht den Chor und die Band.

Die Spiele der Teams werden oft von den Mitschülern angeschaut und je nach Gegner kann es sogar zu richtigen ´Battles’ zwischen den Schulteams kommen. Auch die Kleidung ist anders als an deutschen Schulen. Man kommt gerne in Jogginghose, Kleidung mit dem Logo der Schule drauf oder läuft in der Schule mit Hausschuhen herum.

Nach der Schule ging es dann meistens in die Mall, man hat sich irgendwo getroffen oder was mit der Gastfamilie unternommen. Und an den Wochenenden sind wir oft nach Vancouver gefahren, waren auf Partys und im Winter sind wir in Whistler oder Cypress Ski oder Snowboard gefahren. Diese Trips waren manchmal von der Schule oder dem Schoolboard Office organisiert. Oder aber man ist alleine oder mit den Gasteltern gefahren.

Die Zeit mit der Gastfamilie war auch immer sehr schön. Wir hatten immer viel Spaß und ich habe mich dort sehr wohl und gut aufgehoben gefühlt. Wenn ihr eurer Familie eure Hilfe anbietet, bekommt ihr noch mehr zurück und ihr wollt sicher auch einen guten Eindruck machen. Schließlich lebt ihr eine lange Zeit dort und eure Familie möchte genauso wie ihr eine schöne Zeit haben und etwas über eure Kultur erfahren.

Absolute Highlights in der Zeit waren Halloween und Christmas. Es ist eine tolle neue Erfahrung zu erleben, wie diese Feste in Kanada gefeiert werden. An Halloween kommen (fast) alle verkleidet in die Schule und am Abend gibt es Halloween Partys und die Kinder laufen von Haus zu Haus mit dem typischen „Trick or Treat“.

Auch an Weihnachten wurde viel gefeiert und schon Mitte November wurde das ganze Haus und von innen und außen geschmückt, So, wie man es aus amerikanischen Weihnachtsfilmen kennt.

Man lebt sich in der Regel recht schnell ein, wenn man will und das Englisch kommt von ganz allein und wird von Tag zu Tag besser. Ich vermisse Kanada sehr und freue mich jetzt schon darauf, bald wieder rüberzufliegen und meine Gastfamilie und Freunde zu besuchen.

Anja Wenzel

Westview Secondary School, Maple Ridge, British Columbia

August 2008 – Januar 2009