Wellington Girls College: Kaja H

Neuseeland, Wellington, Wellington Girl’s College

Ich glaube ich kann sagen, dass ich in meinen drei Monaten in Neuseeland mehr erlebt habe, als in drei Jahren in Deutschland. Mein Abenteuer Neuseeland begann jedoch etwas chaotisch.
Am 18 Januar sollte ich eigentlich los fliegen. Ich frage mich immer noch, wieso sie von 365 Tagen im Jahr ausgerechnet mein Abflugsdatum zum Streiken nehmen mussten, aber never mind. Nach stundenlangem Anstehen wurde bekannt gegeben, dass unser Flug gestrichen worden war. Meine Laune war für den Rest des Tages im Keller und meine Familie freute sich, dass ich noch etwas länger zu Hause bleiben würde.

20. Januar, neuer Versuch. Der erste Flug nach London sollte erst um 11 Uhr gehen, doch sicherheitshalber sind wir alle schon recht früh aufgestanden. Man kann ja nie wissen. Und tatsächlich: beim Frühstück guckte mein Vater online erst noch mal nach, ob mein Flug denn auch wirklich gehen sollte und fing erst mal an zu fluchen. Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen, aber trotzdem fragte ich nach, was los war und - Surprise! - mein Flug nach London war gestrichen worden. Während ich mich aus naiver Hoffnung einfach schon einmal fertig machte, telefonierte mein Vater mit unserem Flugbegleiter. Plötzlich kam er dann ins Badezimmer: „Kaja, wir müssen sofort zum Flughafen!“ Und dann ging es mit noch nassen Haaren und nur gut der Hälfte meines Handgepäcks zum Flughafen, denn wir sollten den Flug um 9 Uhr nach München nehmen. Glücklicherweise waren alle rechtzeitig da und kurze Zeit später saßen wir alle im Flieger und konnten es nicht fassen, dass es jetzt wirklich losging! Der Rest des Fluges verlief außer langer Wartezeiten und ein paar falscher Flugtickets durch die ganzen Verschiebungen eigentlich recht ereignislos. Als wir den letzten Flug von Auckland nach Wellington starteten, konnte ich das Sicherheitsvideo schon mitsprechen.

In Wellington angekommen wurden wir von N to Z Mitarbeitern abgeholt und mit einem kleinen Bus zum Wellington Girl’s College gefahren, wo unsere Gastfamilien für die Vorbereitungswoche auf uns warteten. Dass wir gut eine Stunde im Stau standen, war irgendwie klar. Da ich in Wellington bleiben sollte, war meine Gastfamilie für die Vorbereitungswoche auch gleich meine Gastfamilie für die nächsten Monate. Und ich glaube nicht, dass ich mehr Glück gehabt haben könnte! Eine super liebe Gastmum, einen perfekten Koch als Gastvater und zwei super süße kleine Gasgeschwister im Alter von 9 und 11. Mit mir waren noch zwei deutsche Mädchen in der Vorbereitungswoche bei der Familie und das fand ich in den ersten Tagen auch ganz gut, da alles andere so neu war. Obwohl wir durch die Flugstornierung zwei Tage später einstiegen, war die Vorbereitungswoche eine echt klasse Vorbereitung auf die Zeit in Neuseeland. Wir lernten Slang Wörter und ein bisschen Maori und lernten wie wir uns in bestimmten Situationen zu verhalten haben. Sie erzählten uns, was die Kiwis erwarten und da wir englische Lehrer hatten war es zudem eine tolle Vorbereitung auf die Schule. Die Woche endete mit einem gemeinsamen Frühstück, bei dem wir lauter Neuseeländische Essenssachen probierten. Auch wenn ich mich mit einigen nicht so wirklich anfreunden konnte (z.B. Marmite) waren die meisten Dinge, besonders die Cookies, echt klasse!

Dann begann meine erste Schulwoche am Wellington Girl’s College. Ich hatte lange überlegt, ob ich wirklich auf eine reine Mädchenschule gehen wollte, doch es hat sich als die beste Entscheidung herausgestellt, die ich hätte machen können. Am Morgen war ich sehr nervös und als ich dann zum ersten Mal meine Schuluniform anhatte wurde mir erst wirklich bewusst, dass ich noch nie irgendwo in der Schule die Neue gewesen war. Doch meine Angst war völlig unbegründet! Die Mädchen waren alle total nett und die meisten Lehrer echt locker drauf. Am ersten Tag habe ich kaum etwas gesagt, da alle so schnell gesprochen haben und ich einfach nicht wusste wie ich mich verhalten sollte. Zum Glück hatte ich jedoch einen Buddy zugeteilt bekommen, die sich super um mich gekümmert hat und eine meiner besten Freundinnen dort geworden ist. Es war alles andere als langweilig auf der Mädchenschule und ich wurde gleich herzlich aufgenommen und nicht als Konkurrenz bei den Jungs betrachtet. Und weniger über Jungs geredet haben wir auch nicht. Die Mädchen waren total offen und haben mich nach kurzer Zeit so behandelt als wäre ich eine von ihnen. Die Schule hatte echt tolle Freizeit und Fächerangebote gehabt, wie Segeln, Wanderungen, Schooldances, Unterwasserhockey (ja, das gibt es wirklich!) und vieles mehr- viele in Zusammenarbeit mit dem Boys College.

Nach der Schule bin ich häufig mit Freundinnen an den Strand gegangen. Ich fand es schön, dass an meiner Schule nur 5 Deutsche waren, von denen ich nur eine kannte. Dadurch hatte ich nur Kiwi Freunde und habe nur Englisch gesprochen.
In meiner Freizeit habe ich mich häufig mit Freunden getroffen und am Wochenende hat meine Gastfamilie meistens irgendwelche Ausflüge gemacht. Unglücklicherweise gehöre ich jedoch zu den Menschen, die Unfälle magisch anziehen und so habe ich es geschafft mir in der dritten Woche bei einem Unfall einen recht komplizierten Bänderriss zuzuziehen. Dadurch war ich, was Wanderungen und ähnliches anging, sehr eingeschränkt. Meine Gastfamilie hatte sich jedoch als Ziel gesetzt, meine Zeit in Neuseeland zur schönsten Zeit meines Lebens zu machen und ließ sich von dieser kleinen Einschränkung nicht beirren.

Ich glaube ich habe alles gesehen, was man in der kurzen Zeit sehen konnte. Meine Familie hat mir alles in und rund um Wellington gezeigt. Wellington ist so schön! Direkt am Meer, wunderschöne Strände und doch ein wenig Großstadtflair. Abgesehen davon haben sie viele Wochenendausflüge über die ganze Nordinsel gemacht. Ein Wochenende ist meine Gastmum mit mir auf die Südinsel gefahren.
Die Südinsel war überwältigend. Wir sind in Christchurch gelandet und für das Delfinschwimmen zu dem kleinen Ort Akaroa gefahren, wo ich dann mit Hector Delfinen im Wasser war. Es war so unglaublich, ich hatte davor noch nie Delfine gesehen und dann war ich gleich im offenen Meer mit ihnen schwimmen! Am nächsten Tag sind wir dann nach Kaikoura zum Whalewatching gefahren. Die Landschaft, durch die wir gefahren sind, ließ sich nur noch von dem Anblick der zwei Pottwale toppen. Am nächsten Tag war das Wochenende dann leider auch schon vorbei und wir sind mit der Fähre von Picton aus zurück nach Wellington gefahren. Die Route der Fähre ging durch die Malborough Sounds, wo für es sich auch lohnte trotz schlechtem Wetters draußen auf dem Deck zu bleiben.

Der letzte Ausflug, den wir machten war in den Ferien am Ende meines Aufenthalts. Am letzten Schultag übertrafen sich alle meine Überwartungen. Ich hatte erwartet, dass wir vielleicht ein kleines Abschiedsfrühstück hätten, aber nicht mehr. Alle meine Freundinnen hatten mir Geschenke mitgebracht, von Schokolade und Blumen über Briefe bis hin zu selbst genähten Stoffkiwis. An diesem Tag habe ich noch mal gut weitere 6 Kilo Gepäck dazu bekommen! In Science hielt mein Lehrer eine Rede für mich und danach mussten wir alle zu seinem Lieblingslied tanzen. In Englisch hatten wir ein Shared Lunch und eine meiner Freundinnen hatte einen Kuchen mit „Goodbye Kaja“ drauf für mich gebacken. Dann hatten wir noch ein weiteres Shared Lunch in Drama und in Musik war meine Wimperntusche dann vollkommen verschwunden, als meine Klasse für mich „Stay“ von Rihanna sang.

Meine Gastfamilie holte mich von der Schule ab und dann ging es auf eine ewig lange Autofahrt nach Taupo. In Taupo waren wir Jetboating, auf einer Honey Farm und ein wenig am Ufer des größten Sees Neuseelands sitzen. Dann sind wir weiter nach Rotorua gefahren. In Rotorua ging es zur Lodge, wo wir mit kleinen Carts den Berg runtergefahren sind, wir sind in einem alten, jedoch noch bewohnten Maori Dorf gewesen und ich und mein Gastvater sind Rafting gefahren. Ich war die einzige, die nicht aus dem Boot gefallen ist und alle meinten ich hätte den größten Spaß verpasst. Aber ich fand es war einfach zu kalt.

Dann kam der Höhepunkt meiner Reise. Wir sind nach Matamata gefahren, wo ich und meine Gastbrüder auf die Hobbiton Tour gegangen sind. Es war unbeschreiblich, alles sah so aus wie im Film und ich denke nur die wenigsten Deutschen können behaupten, ein Gingerbeer im Green Dragon gehabt zu haben. Dieser Tag sollte zum schönsten meiner Reise werden, denn als wir wieder da waren, sind wir in Rotorua zu Rainbow Springs gegangen, wo ich einen Baby Kiwi gesehen habe. Ich konnte es kaum glauben und durfte auch leider keine Fotos machen, auch nicht von dem ausgewachsenen Kiwi, den wir später gesehen haben.

An dem Tag, an dem es zurück ging, waren wir vormittags im Wai-O-Tapu, wo es Geysire und Hot Pools gab und bevor wir uns wieder auf die 6 Stunden Tour zurück nach Wellington gemacht haben, waren wir noch in einem aufgeheizten Fluss baden. Es hat geregnet, was das ganze ziemlich witzig gemacht hat, da man von oben kaltes Wasser abbekommen hat und von unten alles warm war. Der einzige Nachteil war, dass mein Bikini immer noch nach den Mineralien stinkt, die den Fluss warm gemacht haben.
Dann war mein letzter Tag auch schon gekommen. Vormittags verzweifelte ich mehrmals beim Kofferpacken und stopfte alles, was weder in Handgepäck noch in den Koffer passte einfach in meine Jacken bzw. Hosentaschen. Am Flughafen sind dann noch ein paar Freunde von mir gekommen und haben mit mir gebangt, als die Flughafenangestellte meinen Koffer wog. Trotz 0.4 kg zu viel gab es das große Aufatmen, als sie mich angrinste und dann den Koffer zu den anderen geprüften Koffern stellte. Dann ging es an das Verabschieden. Es war einer der schwersten Momente in meinem Leben, einfach weiter zum Gate zu gehen, während mein Gastvater meine geliebte kleine Gastschwester davon trug, damit sie mir nicht folgen konnte. Dann ging es auf den langen Flug zurück nach Hause.
Heute, gut einen Monat später, spare ich schon für den Flug zurück. Ich habe fest geplant in meinen Sommerferien in zwei Jahren wieder zurück zu kehren, auch wenn es dann nur für kurze Zeit ist. Ich habe gerade erst eine Drohung von meinen Freundinnen bekommen, dass zu meinem Geburtstag in ca. 2 Wochen ein riesen Paket mit vielen Geschenken kommt, mein Buddy und ich haben uns für nächstes Wochenende zum Skypen verabredet und letzte Woche habe ich mit meiner Gastfamilie geskyped. Ich freue mich schon sehr darauf, alle wieder zu sehen!

Ich kann es nur an jeden weiterempfehlen, der darüber nachdenkt. Man sammelt so viele Erfahrungen, Eindrücke und neue Freunde und ich glaube ich spreche für alle, die hier einen Austausch gemacht haben: Es ist eine der schönsten Zeiten überhaupt!

Weitere Erfahrungsberichte aus Wellington