Waimea College: Aliza W.

Als ich meinen Fuß das erste Mal auf neuseeländischen Boden setzte, also außerhalb des Flughafens in Wellington, war ich schon ziemlich aufgeregt, was mich in den kommenden Monaten so alles erwarten würde. Doch um einiges mehr aufgeregt war ich, als in nach dem einwöchigen Vorbereitungskurs endlich in Nelson ankam, meinem neuen Zuhause für ein halbes Jahr. Für mich stellte sich schnell heraus, dass ich nicht hätte aufgeregt sein müssen, denn meine Gastfamilie erwartete mich bereits und so wurde ich sehr herzlich willkommen geheißen. Auf der Fahrt zu dem Haus bemühte ich mich schon so einiges über meine Gastfamilie herauszufinden und alle waren positiv von meinem großen Interesse überrascht. Den Abend verbrachte ich damit, meine Koffer zu leeren.

Bereits am nächsten Morgen bemerkte ich einige Unterschiede im Tagesablauf. Ich wurde sehr früh von meinen beiden Gastschwestern geweckt, weil sie mit mir spielen wollten und das änderte sich auch für die restlichen Wochenenden meiner Zeit dort nicht, also: Ausschlafen ade!

Als die Ferien vorüber waren kehrte eine routiniertere Phase meines Aufenthaltes ein. Da der Unterricht erst gegen 9 Uhr begann, musste nicht so früh aufgestanden werden. Doch erst einmal in der Schule angekommen ging es nicht wie ich es gewöhnt war gleich mit dem Unterricht los, nein, vorher wurde von den Schülern erwartet zu einer Art Klassenleiterstunde zu gehen welche 15 Minuten einnahm. Dort bekam man Informationen über die zahlreichen Aktivitäten an denen man sich nach der Schule oder in der Mittagspause beteiligen könnte. Diese Aktivitäten wie Sport und kreative Tätigkeiten sind für Austauschschüler sehr zu empfehlen weil man dort sehr schnell Mitschüler kennenlernt.

Im Großen und Ganzen unterscheidet sich der neuseeländische Schulalltag nicht großartig vom Deutschen, abgesehen von der Schuluniform, welche anfänglich noch gewöhnungsbedürftig ist und der Fächerauswahl. In Neuseeland gibt es ein sehr großes Fächerangebot welches weit über jeglichen Sport, hauswirtschaftliche Fächer, kreative Fächer und allgemeinbildende Fächer hinausgeht. Für Internationale Schüler würde ich stark empfehlen, Fächer zu belegen, in welchen die Schüler viel Gruppenarbeiten absolvieren und nicht nur fest in ihren Bänken sitzen, da man sich bei Sport, Schauspiel, Zeichnen oder Kochen meiner Meinung nach viel schneller in die neue Gemeinschaft integrieren kann.

Nach dem Unterricht kann man oftmals an Nachmittagsaktivitäten in der Schule teil nehmen, andererseits unternehmen viele Kiwiskids Dinge mit Freunden (wie ins Kino oder shoppen zu gehen), denn Hausaufgaben gibt es wenige. Viele treten Jugendgruppen oder Sportvereinen bei, dort lernt man viele Gleichaltrige kennen und somit eignet sich auch dieses hervorragend für Austauschschüler.

Am frühen Abend kehrt man zur Gastfamilie zurück um mit ihnen zu Abend zu essen. Die Ernährungsweise unterscheidet sich nur gering von der Deutschen, natürlich gibt es einige spezielle Gerichte, welche trotzdem nicht als allzu außergewöhnlich betrachtet werden können. Einen Unterschied gibt es jedoch, in Neuseeland isst man täglich Sandwiches oder ähnliches zum Mittag und das Abendessen ist stets eine warme Mahlzeit.

Grundsätzlich unterscheiden sich die Kiwis nicht allzu sehr von Deutschen, allerdings legen sie nicht so viel wert auf Pünktlichkeit (aber als Gastschüler sollte man trotzdem zur verabredeten Zeit zu Hause sein!), jedoch sehr viel auf sehr gute Manieren – ein Bitte oder Danke sollte am Ende des Satzes nie fehlen.

An den Wochenenden und in den Ferien bekommt man als internationaler Schüler gute Möglichkeiten, Neuseelands einzigartige Natur kennen zu lernen. Auch wenn meine Gastfamilie sehr beschäftigt war, habe ich durch frühzeitige Planung sehr viele Chancen bekommen, die Flora und Fauna entdecken zu können. Ein Wochenende verbrachte ich beispielsweise auf einer Yacht, nur mit meiner Familie und Freunden im malerischen Able Tasman National Park. Ein anderes mit dem Erklimmen des Mount Roberts, einem ziemlich hohen Berg. Dieses erforderte viel Disziplin, doch erstmal oben kann man mächtig stolz sein es geschafft zu haben!

Meine Zeit in Neuseeland war einzigartig und ich wäre sehr, sehr gerne länger geblieben. Von allen Phasen in meinem bisherigen Leben bezeichne ich es als meine Beste und empfehle jedem, der die Möglichkeit bekommt an einem Auslandsaufenthalt teilzunehmen, sie ohne zu zögern anzunehmen, denn selbst wenn man Pech mit der Gastfamilie haben sollte oder Schwierigkeiten sich in das neue Umfeld zu integrieren, lernt jeder auch in ungünstigen Situationen viele Dinge für sein Leben. Und ich kann stolz sagen, dass ich weit mehr als nur Englisch gelernt habe. Ich habe viel über Neuseeland, die Menschen dort und die Maoris gelernt.

Ich habe viel über die Welt gelernt.