Kaikorai Valley College: Amelie M.

Ich bin wie high, kann seit Tagen von nichts anderem reden, in meinem Kopf sind immer noch all die bunten Farben gefangen, die Gerüche, all die Bilder von den schönen Momenten und wenn ich nur an Neuseeland denke, hab ich das Gefühl ich explodiere vor Begeisterung. Aus der kleinen Insel am anderen Ende der Welt ist mein zweites Zuhause geworden und ich muss jedes Mal automatisch lächeln wenn ich an meine Zeit dort denke.

Ich habe dort bei den Whelans, einer so süßen, liebevollen Kiwifamilie gelebt. Barbara, meine Gastmum, Mark mein Gastpapa, Josh und Britt, meine 19jährigen Gastzwillingsgeschwister, vier Pferde, Hühner und ein Hund haben mir dort ein tolles Zuhause gegeben. Unser Haus war weit weg von meiner Schule und der Stadt, doch diese Einschränkung habe ich gerne in Kauf genommen, da meine Gasteltern oder Geschwister auch gerne bereit waren mich mit dem Auto zu fahren, wenn es möglich war, denn die Busverbindungen waren sehr schlecht und die Tickets außerdem sehr teuer. Dafür musste ich dann ab und zu im Haushalt oder mit den Pferden helfen.

Ich habe in Dunedin das Kaikorai Valley College besucht. Eine tolle Schule, mit vielen Fächern, netten Schülern und unglaublich hilfsbereiten Lehrern, die sich für mich immer Zeit genommen haben, wenn ich Fragen oder ein Problem hatte. Die Schule war dort für mich so etwas wie meine zweite Gastfamilie, denn immerhin habe ich dort einen großen Teil meines Tages verbracht und viele Freunde gefunden.
Ich hatte mir von Anfang an vorgenommen, dass ich meine drei Monate in Neuseeland so richtig genießen würde, was mir mit der Gewissheit in Deutschland nur sieben Wochen Schule zu verpassen nicht schwer fiel. Mit meinen deutschen Freundinnen schloss ich einen Pakt, so dass wir auch untereinander nur englisch sprachen und grundsätzlich achtete ich darauf, dass ich jede Minute dort genoss und vollkommen auslebte. Ich kann mich an kein Wochenende erinnern an dem ich einfach mal „nix“ gemacht habe. Schon am Anfang habe ich versucht schnell Anschluss an Kiwis oder Maoris zu bekommen, was einem am Kaikorai Valley College leider nicht gerade einfach gemacht wird, denn die internationalen Schüler haben dort oft separaten Unterricht. Auch in meinen Klassen hatte ich meistens andere Deutsche, doch wenn man sich nicht von der „deutschen Flut“ mitreißen ließ, sich manchmal ausklinkte, um wieder mit seinen Kiwifreunden „abzuhängen“, dann kam man mit dieser Situation eigentlich trotzdem sehr gut klar.

Da ich mir um die deutsche Schule keinerlei Gedanken machen musste, konnte ich alle Fächer wählen die ich gut fand, vorausgesetzt die Kurse waren nicht schon voll oder meine Aufenthaltszeit zu kurz um sie zu wählen. Mein Stundenplan sah hinterher also so aus: Metallarbeit (Herstellung von Schmuck…), Musik, ILS (lernen wie man allein lebt, kochen, putzen, Mietverträge abschließen…), Fabrics (Nähen, Design…), Englisch und Outdoor (Skifahren, Klettern, Sandboarding, Kajak fahren…). Da ich nur drei Monate in Neuseeland verbrachte, stellte die Schule mir frei, ob ich eine Uniform tragen wollte. Zuerst war ich dafür, denn ich dachte, dass es mich besser integrieren würde, doch letztendlich entschloss ich mich dagegen, denn allein der Rock kostet NZ$500. Das Geld gab ich dann doch lieber für einen Skitrip aus, der mir eine tolle Zeit und gute Freunde verschaffte.

Da meine Gastschwester eine sehr gute Springreiterin ist, hat meine Familie mich oft mit zu den Turnieren genommen, wo wir dann ein Wochenende im Truck (eine Mischung aus Wohnmobil und Pferdetransporter) gewohnt haben. Meine Familie hat mir von Anfang an das Gefühl gegeben als wäre ich wirklich ein Part ihres Lebens. Ich habe mich dort unglaublich wohl gefühlt und ich hatte so viel Spaß mit ihnen, vor allem mit Josh mit dem ich jeden Abend das Geschirr gespült habe und mit Britt mit der ich über alles reden konnte (Partys, Jungs). Im Gegenzug musste ich oft im Haushalt helfen, was jedoch nicht schlimm war, denn ich sah es einfach als kleine Gabe für eine so nette Gastfreundschaft.
Ich gewöhnte mich so schnell an den „Kiwilifestyle“, dass die drei Monate nur so dahin flogen. Schon bald heißt es Abschied nehmen von einigen Freunden und an meinem letzten Schultag fließen unglaublich viele Tränen. Richtig schlimm ist es meiner Gastfamilie „good bye“ zu sagen, denn sie sind mir so sehr ans Herz gewachsen.

Das Eingewöhnen in Deutschland fällt mir wirklich nicht leicht. Doch langsam komme ich zurück in meinen gewohnten Tagesablauf. Neuseeland schwirrt immer noch in meinem Kopf und es ist klar für mich, dass ich so schnell wie möglich zurück möchte. Die Zeit dort war so wunderbar und hat mir so viel gebracht, vor allem sprachlich.

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