Western Springs College: Emil P.

Hallo, kia ora, mein Name ist Emil Pluta und ich habe ein halbes, sehr tolles Jahr in Neuseeland verbracht. Im Folgenden möchte ich nur zu gerne meine durchweg positiven Erfahrungen teilen.

Los ging es für mich nicht an dem Tag meiner Abreise. Nein, ich hatte lange vorher ein Vorbereitungsseminar in Düsseldorf, welches sich über ein Wochenende zog und bei dem ich grundsätzliche Informationen erhalten habe und gut auf meine Zeit in Neuseeland vorbereitet worden bin. Die Betreuung durch erfahrene Ehemalige und Mitarbeiter der Organisation machten einen guten und informativen Ablauf möglich. So lernte ich schon vorher viele Sitten und Bräuche kennen und viele Fragen wurden auf diese Weise beantwortet. Danach dauerte es eine Zeit bis es zu einem sehr bedeutsamen Tag kam.

Dieser Tag war für mich der 9. Juli. Es war der erste Tag an dem ich Aufregung, Nervosität, Neugier, Vorfreude, Ungewissheit, usw. wirklich zu Spüren bekommen habe, und somit auch mir selbst klar geworden war, dass ich Deutschland und alles, was damit verbunden ist, von heute an für eine etwas längere Zeit nicht mehr sehen würde. Nachmittags ging es dann zum Flughafen. Nach einem herzlichen Verabschieden ging es dann durch den Sicherheitsbereich und „auf und davon“… Am Gate traf ich die ersten anderen Jungs und Mädels, die mit mir fliegen würden, den Zubringerflug von Düsseldorf nach Frankfurt. Ich lernte sofort neue Menschen kennen, ebenso bei unserer Gruppe in Frankfurt, auf die wir dort trafen und dann begleitet unseren Weiterflug über Singapur nach Auckland antraten. In Auckland angekommen war eine allgemeine Müdigkeit und Ungewissheit vertreten, die jedoch durch Vorfreude überspielt wurde. Wir wurden in einen Raum geführt, bekamen Informationen der neuseeländischen Organisation und wurden dann von den Gastfamilien abgeholt. Ich hatte noch eine andere deutsche Austauschschülerin für die erste, Vorbereitungs-Woche, mit in meiner Familie.

Die erste Woche war ganz unterhaltsam. Ich lernte alles kennen und war echt sehr begeistert von all dem Neuen, was mir so begegnete, wie zum Beispiel die viel lockerere Kultur der Neuseeländer, die offeneren, hilfsbereiten, sehr gastfreundlichen und netten Kiwis. Ich lernte die ersten Wörter auf Maori, wurde vertraut mit Gewohnheiten der Kiwis und nahm den ersten Slang in meinen englischen Wortschatz auf. Man kann insgesamt sagen, dass diese erste Woche ein guter, positiver Start in meinen Aufenthalt war, da es sich nicht zu schwer darstellte und wir sehr gut unterstützt wurden. Desweiteren haben wir jeden Nachmittag einen Ausflug gemacht. Wir haben so viele sehr bekannte Sehenswürdigkeiten besucht.

Meine Gastfamilie war wirklich super. Sie waren super nett, hilfsbereit und offen. Zu Beginn ist es noch ein etwas komisches Gefühl in dieser neuen Umgebung zu leben. Ich hatte keine Gastgeschwister, meine Eltern waren sehr jung, 28 und 32. Sie haben sehr viele Ausflüge mit mir unternommen, wo ich sehr glücklich mit war, weil ich so wirklich viele tolle Orte zu sehen bekam. Während meines kompletten Aufenthalts kam ich eigentlich ohne ein einziges Mal Streit aus, was ich wirklich gut fand. Vieles regelte sich von selbst oder man redete kurz darüber. So wusch ich meine Wäsche selbst und machte Lunchpaket, etc. auch selbst. Diese Selbstständigkeit und Mithilfe im Haushalt (wie z.B. Abwasch, Spülmaschine, usw.) sind wirklich sehr gut. Im Endeffekt muss man wirklich sagen, hatte ich wenige Pflichten. Regeln gab es natürlich auch, die ich gut einhielt, wodurch es, wie oben gesagt, ein sehr schönes, entspanntes und ausgeglichenes Verhältnis mit meinen Gasteltern war. Ich war der erste Gastschüler meiner Familie und das war echt toll, sodass beide Seiten neue Erfahrungen sammeln konnten.

Der Neuseeländer („Kiwi“) nimmt das Leben insgesamt sehr locker, was sehr positiv ist, aber zum Teil auch seltener ein wenig blöd sein kann. Wie oben schon genannt, sind die Kiwis wirklich super freundlich, hilfsbereit und gastfreundlich. Sie sind es gewohnt mit fremden und neuen Menschen umzugehen, was wirklich sehr einfach ist. Ebenfalls einfach ist der Lebensstil der Kiwis. Mein Haus zum Beispiel war relativ klein, aber hat vollkommen gereicht. Es war ein echt cooles Haus.

Die Schule war auch sehr interessant. Vom Prinzip her ist alles anders gewesen als in Deutschland. Sie hatte als eine der ganz wenigen Schulen in Neuseeland keine Uniform. Es hat morgens um 8:40 mit Form Class angefangen und hörte dann immer um 15:15 auf. Dienstags ging es sogar erst um 10 Uhr los. Ich konnte neben Englisch noch fünf weitere Fächer wählen. Die Fächerauswahl ist sehr großzügig und man kann so Fächer wie Drama, Tanzen, Kochen und andere ausprobieren, die wirklich interessant sind, besonders weil es sie bei uns in Deutschland nicht gibt. An der Schule hatten wir Internationals unser eigenes Büro, wo drei Frauen für uns zuständig waren, die uns bei Problemen und Fragen weiterhalfen. Diese Unterstützung für ausländische Schüler bietet fast jede Schule. Die ersten Tage wurden wir eingewiesen, konnten wie oben gesagt Fächer wählen und lernten Regeln und Grundsätze kennen. Danach ging es in den richtigen Unterricht über. Auf dem Schulhof wurde ich oft angesprochen oder die anderen Schüler schauen einem hinterher. Das ist anscheinend normal, dies ist bedingt dadurch, dass man einfach ein „Neuer“ aber auch gleichzeitig „Fremder“ ist. Die Lehrer gehen sehr nett auf einen zu und es kommt auch zum Gespräch mit so manch einem Schüler. Man wird sehr hoch von der Klasse her eingestuft, da das Niveau der neuseeländischen Fächer meist unter dem deutschen liegt für das gleiche Alter. Das bedeutet, dass höhere Klassen sehr gut zu meistern sind. In einigen Fächern konnte ich sogar Dinge lernen, die ich entweder für den Unterricht hier verwenden konnte oder die ich sonst nie gelernt hätte, z.B. in dem Fach Technology bei dem es um das Planen, Organisieren und schließlich Bauen von Projekten, meist aus Holz, geht.

Ansonsten nahm mein neues Leben seinen Lauf und bescherte mir immer wieder wunderbare Momente. Ich unternahm viel mit Freunden, fuhr so mit der Fähre häufig auf die umliegenden Inseln vor Auckland, nahm ein paar Tage Surfunterricht, ging ins Kino bei schlechtem Wetter, usw. Auckland als Großstadt ist sehr bewundernswert, da diese Stadt wirklich riesig ist. Jedoch gibt es auch unweit der vielen Menschen und Häuser, des vielen Lärms und Stress wunderschöne Natur. Wer nach Auckland geht oder mal vorbei kommt, sollte bei Sonnenuntergang auf den Skytower gehen, die Vulkaninsel Rangitoto besuchen oder auch auf die größere und besiedelte Insel Waiheke mit der Fähre fahren, einen Bungy von der Harbour Bridge machen, Mt. Eden hinaufgehen und die geile Aussicht genießen, am Viaduct Harbour oder an den Wharfs relaxen, zu den tollen Westcoast Beaches wie Piha fahren, nach Devonport auf Mt. Victoria und gaaanz viel mehr. Ich fand Auckland wirklich überragend, besonders, weil ich das dortige Großstadtleben von zuhause aus nicht kannte, komme aus einer kleineren Stadt. Es gibt jeden Tag, wirklich, immer neues zu sehen und viel zu erleben. Die Downtown City ist relativ umfangreich, jedoch gibt es in sehr vielen Stadtteilen auch Malls. Es leben viele andersstämmige Menschen in Auckland, sodass man auf Asiaten, Australier, Chilenen, Brasilianer, Italiener, und ganz viele mehr und natürlich Deutsche trifft. Die Verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel sind ganz passabel, abhängig davon wo man wohnt. Jedoch konnte ich, auch wenn ich eher in einem Randgebiet gewohnt habe, alles gut erreichen mit Hilfe von Bus und seltener auch Bahn.

Nun zu Ausflügen: Ausflüge werden von Schule und Organisationen angeboten oder man reist mit der Hostfamily herum. Der Trip der meiner Meinung nach auf keinen Fall fehlen darf: Die Südinseltour! In meinen Termferien Anfang Oktober, hatte ich zwei Wochen Zeit um eine längere Reise zu machen und nutzte diese dann. Ich entschied mich für Active Planet mit zwei Freunden, was im Endeffekt eine gute Entscheidung war. Die vielen Eindrücke, die ich auf der Südinsel noch sammeln konnte, waren wirklich die Besten überhaupt! Ich lernte direkt am ersten Tag alle kennen und wir verbrachten zusammen 10 super Tage. Ich nutze die Möglichkeiten um Bungy zu springen, Whale-Watching zu machen, JetBoat zu fahren, kajaken zu gehen in der Abel Tasman Sea, auf einem House Boat zu übernachten und vieles mehr. Die Landschaft im Süden ist echt traumhaft und sicherlich eine Reise wert. Wir fuhren durch Milford Sound, einen Fjord an der südlichen Westküste, der als einer der schönsten Orte der Welt gilt. Wir waren mit zwei Reisebussen unterwegs und machten dann immer in interessanten Städten halt um irgendwelche Aktivitäten zu machen, abends in Motels und Backpackern zu übernachten und am nächsten Tag ging es dann weiter. Auf dieser Tour habe ich wirklich das grüne Neuseeland kennen gelernt und bin mit Landschaften verwöhnt worden, die wirklich einmalig waren.

Irgendwann neigte sich meine Zeit dann auch dem Ende zu. Dies war ein sehr schneller Prozess! Wenn ich jetzt noch zurückdenke, kann ich mich noch genau an die ersten Tage erinnern. Es ist wirklich unfassbar, wie schnell die Zeit rennt. Ungefähr vier Wochen vor meiner Abreise war für mich schon die Schule zu Ende, da ich keine Prüfungen geschrieben hatte. Das war zu meiner Freude, weil ich dann noch ganz viel mit Freunden unternehmen konnte und meine Zeit toll abrunden konnte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich nie an eine Rückkehr, doch kam dieser Gedanke dann viel öfter und viel schneller wieder in meinen Kopf auf und ich wollte nicht mehr nach Hause… Ich hatte mich so sehr an mein „neues, zweites“ Leben in New Zealand gewöhnt, dass es für mich so gut wie selbstverständlich war dort zu bleiben. Als dann nur noch eine Woche übrig war, habe ich alles nur noch genossen und versucht das Beste draus zu machen. Der Tag der Abreise kam dann doch pünktlich… Der Koffer gepackt, ausgeschlafen, aber bedrückt, brachte mich mein Gastvater zum Flughafen. Das Check-In ging auch einfach und flott. Mein Gastvater verabschiedete sich und ich hatte noch ein wenig Zeit, die ich mit einem Freund verbrachte, der sehr netter Weise noch kam. Ein letzter Eindruck von Auckland, dann durch den Sicherheitsbereich, dann in den Flieger und fertig. Nach 23 Stunden Flug und fünf Stunden Aufenthalt in Singapur, hatte mich mein deutsches Leben wieder. Es war sehr aufregend die Familie wieder zu sehen, fast aufregender als der Abflug. Ich habe mich mittlerweile sehr gut eingelebt und schwebe noch oft in tollen Erinnerungen.

Mein Fazit: Für mich war der Aufenthalt in Neuseeland wirklich unbelievable amazing. Ich kann euch allen nur von Herzen empfehlen euch für einen solchen Aufenthalt (in Neuseeland) zu entscheiden und hoffe euch ein ganz gutes Bild meines dortigen Lebens vermittelt zu haben.