Salt Spring Island: Jonas St.

Seit fünf Monaten bin ich zurück in meiner alten Heimat. Bis heute vergeht kein Tag an dem ich nicht schweren Herzens auf die schönste Zeit meines Lebens zurück blicke. Es vergeht kein Tag an dem ich mich nicht an das Gefühl von Freiheit, Freundschaft und Liebe erinnere, das ich in Kanada auf unverwechselbare Weise erlebt habe. Ich kann vorweg nehmen, dass die für mich größte Herausforderung des Auslandsaufenthalts die Rückkehr war. Doch nun erst mal meine persönliche Geschichte des High-School Jahres von vorne.

Ein Aufenthalt in einem englischsprachigen Land und das Kennenlernen einer anderen Kultur haben mich schon lange gereizt. So kam es, dass ich vor ungefähr 2 Jahren, kaum zu glauben wie schnell die Zeit vergangen ist, begann mich nach einem geeigneten Ort umzuschauen. Getrieben von Abenteuerlust habe ich mich dann spontan und aus Sympathie, nach durchblättern der iSt Broschüre und lesen einiger Erfahrungsberichte, für die wundervolle Insel Salt Spring Island in Kanada entschieden. Heute weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Salt Spring Island ist eine kleine Insel zwischen Vancouver und Vancouver Island in British Columbia mit etwa 10.000 Einwohnern (Die Zahl verdoppelt sich im Sommer, wegen der Touristen und Menschen mit zweitem Wohnsitz). In Kanada wird Salt Spring Island oft als Künstler und Hippie Insel bezeichnet. Auch wenn das sicherlich nicht auf alle Menschen dort zutrifft, gibt es eine sehr freundliche, offene und alternative Grundatmosphäre.

Etwa ein Jahr nach meiner Entscheidung, am 30. Januar, war es soweit. Aufgrund meiner Vorfreude fiel der Abschied nicht schwer. Das Vorbereitungsseminar von iSt hatte mir außerdem alle sonstigen Bedenken und Ängste genommen. Der Flug verlief ohne Probleme, so dass ich nach gefühlten 18 Stunden von meinem Gastvater am Flughafen von Victoria in Empfang genommen wurde. Erleichtert über den positiven ersten Eindruck ging es von dort aus zur Fähre. Bei der abendlichen Überfahrt nach Salt Spring konnte ich zum ersten Mal die Gulf Islands bewundern und die frische Pazifikluft atmen. Nach einer weiteren halben Stunde waren wir da. In meinem neuen Zuhause wurde ich schon von meiner sehr liebevollen Gastmutter, meinem 7 jährigen Gastbruder und meiner 3 jährigen Gastschwester erwartet und herzlich empfangen. An diesem Montagabend war ich sehr müde und glücklich. So ging ich, nach kurzem Abendessen und Kennenlernen, schnell ins Bett, denn am nächsten Morgen um 9 Uhr ging schon die Schule los. Zum Frühstück machte mir meine Gastmutter wunderbare Pancakes, dann brachte sie mich in die Schule, welche mir und einigen weiteren Neuankömmlingen von erfahrenen Internationals gezeigt wurde. Neben den normalen Klassenräumen und den Räumen für Musik, Kunst, Tanz und Theater gab es ein Counselling-Office, mit Ansprechpartner für alle Gastschüler, eine Aula, eine Bibliothek, mehrere Computer/Medien Räume, eine Sporthalle, eine Cafeteria und vieles mehr. Zudem bekam ich meinen Stundenplan. Ich habe mich für die Fächer Media Arts 11 und 12, Guitar, Music Composition, Arts 11, PE, Maths 12 und English 12 entschieden. Hier hatte ich also die Möglichkeit, meiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Noch nie zuvor habe ich in einer Schule in einem so freundlichen Lernklima so viel Dinge und Fähigkeiten gelernt, die meinen Interessen und Talenten entsprachen. Innerhalb weniger Wochen gewöhnte ich mich an meinen Schulalltag. Der interessante Unterricht und die freundlichen Mitschüler und Lehrer haben es einem dabei auch einfach gemacht.

Das Verhältnis zu meiner Gastfamilie war von Anfang an gut und so habe ich mich bald als Teil der Familie gefühlt und war zum ersten Mal in meinem Leben großer Bruder. Freunde haben sich auch schnell gefunden. Anfangs bestanden diese hauptsächlich aus anderen Internationals, mit denen man durch Aktivitäten wie den Eco Adventure Ausflügen einfach in Kontakt gekommen ist. Das gemeinsame Abenteuer hat uns sehr stark verbunden. Mit etwas Mut fand ich auch bald unter den Kanadiern Anschluss und es haben sich neue enge Freundschaften entwickelt. Erfreulicherweise habe ich zudem nach 2 Monaten in Kanada einen Gastbruder aus Japan bekommen und mit ihm einen Begleiter und Bruder gewonnen. Mit der Zeit fühlte ich mich immer mehr zuhause und hatte großartige Erlebnisse: Von nächtlichen (teils winterlichen) Badeausflügen bis Surftrips, Städte Trips nach Victoria, Vancouver und Seattle, einen Snowboard Ausflug auf Mount Washington, Kajakfahrten und Wanderungen, bis hin zum Auftritt meiner Musik Klasse und vieles mehr. Auch der Alltag hatte einiges zu bieten: Kochen und Backen mit Freunden, Nachmittage in Coffee Shops, Abende am Strand, Samstage im Park und auf dem Markt, das Genießen der atemberaubenden Natur und das authentische kanadische Familienleben. Mein Highlight und die schönste Erinnerung: Phosphorescence night time skinnydipping. Nach ungefähr 3 Monaten hat es mir auf Salt Spring so gut gefallen, dass ich meine Eltern anflehte, statt 5 Monaten 10 Monate bleiben zu können. Trotz anfänglicher Skepsis habe ich sie überreden können. Das bedeutete, dass ich den ganzen Sommer auf Salt Spring Island verbrachte und danach bis Ende November die High School besuchte. Die 10 Wochen Sommerferien, in denen mich zeitweise meine Mutter besuchte, waren wohl die schönste Zeit in Kanada. Es sind Erinnerungen fürs Leben entstanden. Es haben sich Freundschaften vertieft und ich habe mich gefühlt als hätte ich nie an einem anderen Ort gewohnt. Mein Longboard wurde neben den Bussen zu meinem Hauptfortbewegungsmittel. Meine Gasteltern haben mir viel Vertrauen entgegengebracht und mir viele Freiheiten gelassen, was zur Folge hatte, dass ich selbstständiger und verantwortungsbewusster geworden bin. Ebenso habe ich mehr Selbstvertrauen gewonnen und natürlich mein English verbessert.

Ich könnte jetzt in meinem Erfahrungsbericht noch mehr ins Detail gehen und vom Hundertsten ins Tausendste kommen, doch das ist ja nicht Sinn der Sache. Ich hoffe jedenfalls, dass die Erinnerungen die ich so zusammengefasst habe, euch gefallen und eventuell dazu motivieren, ein ähnliches Abenteuer zu erleben. Ich wünsche jeden, der von einem Auslandsaufenthalt auf Salt Spring Island oder an einen anderen Ort träumt, ebenso viel Glück, ähnlichen Erfolg, einzigartige Erinnerungen und Freunde die einem ein Leben lang bleiben. Mit der richtigen positiven Einstellung, Flexibilität und Offenheit steht dem hoffentlich nichts im Wege. An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen Eltern, Gasteltern und iSt bedanken, die mir diese unvergessliche Reise ermöglicht haben.