Maple Ridge: Andrea Sch.

Am 31. August ging für mich das Abenteuer 5 Monate Canada los. Es war die Zeit meines Lebens, auch wenn ich schon seit einigen Wochen wieder in Deutschland bin, kann ich es nicht mehr zu Hause nennen. Jetzt habe ich ein Zweites zu Hause, das leider 7.800 Kilometer von hier weg liegt.

Morgens sind wir in Deutschland abgehoben und nachmittags in Vancouver gelandet. Das alles war so aufregend und anders für uns alle! Mit dem Bus ging es dann nach Maple Ridge und dort wurden wir auch schon alle von unseren Gastfamilien erwartet.

Sobald meine Koffer mithilfe meiner Gasteltern Bill und Eileen in meinem Zimmer verstaut waren, haben die beiden mir das ganze Haus gezeigt und danach haben wir uns noch etwas unterhalten. Ich kam mir sofort so willkommen vor! Erwartete Schwierigkeiten mit der Sprache gab es gar nicht.
Mein neues zu Hause war so gemütlich und einfach wunderschön, auch wenn es ein etwas älter eingerichtetes Farm Haus war. Man musste sich einfach wohlfühlen!

Am nächsten Tag kam meine mexikanische Gastschwester Maria an und wir haben sie alle zusammen abgeholt. Ich hätte mir keine bessere Gastschwester vorstellen können!

Die erste Woche wurden täglich Ausflüge vom school district für alle Internationals unternommen, wo wir uns alle etwas kennenlernen konnten. Da hieß es zum Beispiel Kanu fahren oder mit der Fähre nach Vancouver Island.
In der darauffolgenden Woche fing dann auch für uns die Schule an. Zum Glück haben Maria und ich beide die Westview Secondary School besucht, sodass wir täglich zusammen zur Schule fahren konnten. Wir haben alle in der ersten Stunde unsere 8 Fächer gewählt und unsere Stundenpläne bekommen.

Meine Fächer waren English, Marketing, Sewing (Nähen), French, Science, Social Studies, Math und PE (Sport). Ich habe tolle Leute in all diesen Fächern und ein ganz anderes Schulsystem kennengelernt, das dir zum Beispiel die einzelnen Biome der Erde mit Hilfe einer Power Point Präsentation erklärt. Ich konnte zum Beispiel eine eigene Pyjamahose nähen oder mit meiner Marketing-Klasse einen eigenen kleinen Laden eröffnen und da arbeiten.

Weil die Schule nach dem Unterricht ein sehr abwechslungsreiches Sportprogramm angeboten hat, hatte ich – die normalerweise Sport hasst - die Chance im Fieldhockeyteam der WSS Freunde und ein neues Hobby zu finden. Leider dauerte die Saison nur zwei Monate, da danach das Wetter zu schlecht wurde, aber es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Fast alle meine neuen Freunde habe ich so kennengelernt.

Mein Geburtstag kam und alle haben so lieb an mich gedacht. Ich hätte das nie erwartet! Und dann war auch schon Halloween. Meine Gastmum Eileen liebt Halloween und hat deshalb auch mehr Halloweendeko als Weihnachtsdeko. Unser Haus wurde zum reinsten Gruselkabinett: Fliegende Fledermäuse im Flur, tanzende Katzen auf der Treppe, ein Zombie, der dir in der Diele „Sekt“ (also Augäpfel) serviert, ein riesiges Spinnennetz auf der Veranda und Grabsteine im Vorgarten. Dann hat mir Eileen auch noch geholfen mein Kostüm zu basteln und hat nur für Halloween sogar eine Party für die ganze Familie geschmissen. Es gab ungelogen Tonnen an Essen und zum Abschluss einen Schokokuchen in Skelettform.

Zwischendrin haben alle Internationals auch immer wieder Ausflüge mit dem school district gemacht: Einmal ging es in einen Fun-Park, ein anderes Mal zum Eishockey und mein letzter Ausflug ging dann noch nach Whistler.

Immer wieder habe ich mich mit Freunden getroffen, bin in Vancouver, Coquitlam und selbst in Maple Ridge shoppen gegangen, war im Kino und bin bei Tim Hortens arm geworden (kleiner Tipp: FRENCH VANILLA). Oft bin ich auch mit Bill und unserem Golden Retriever Ella an den Dyksystems oder Kanakacreek spazieren gegangen und es war einfach wunderschön! Die Umgebung ist einfach so unglaublich und es war einfach toll jeden Morgen die Berge von meinem Fenster aus zu sehen.
Anfang November sind wir dann Tannenbäume aussuchen gegangen. Richtig... ANFANG NOVEMBER! Ich war glücklich, dass wir keinen faketree wie fast alle anderen hatten. Trotzdem war es etwas verrückt am 1. Dezember schon einen Tannenbaum im Wohnzimmer, einen in der Küche und sogar noch einen kleinen Baum im Zimmer der Tochter meiner Gasteltern aufzustellen. Es hat echt Spaß gemacht zusammen mit Eileen, Bill, Maria und sogar Ella die Bäume zu schmücken.

Auch das Fest an sich war zwar sehr anderes aber einfach wunderbar. Generell haben wir Familienfeste etwas anders gefeiert als hier. Wir hatten 20 Gäste an Weihnachten. (Wo meine Eltern, meine Schwester und ich hier nur zu viert feiern.) Auch die Bescherung war etwas anders als gewohnt: Am 25.12. gab es morgens für meine Gasteltern von ihren Kindern hauptsächlich Rubbellose und Socken. Es war so lustig zu zusehen, wie alle eine halbe Stunde lang ihre Rubbellose rubbeln, aber es war gleichzeitig auch einfach so normal. Als würde ich schon immer mir dieser Familie feiern. Meine neue Familie hat von mir typisch deutsche Sachen bekommen und das kam auch gut an. Ich habe mich so unglaublich über meine Geschenke gefreut. Ich habe unter anderem French Vanilla bekommen.

Silvester habe ich dann mit meinen besten Freunden gefeiert und es war so schön!

Leider vergingen die letzten Wochen wie im Flug. Ich habe versucht so viel wie möglich noch mit meinen Freunden zu unternehmen und dann war es auch schon fast so weit, bye zu sagen ich war noch zwei Mal in Whistler. Und da ich noch nie zuvor Ski fahren oder Snowboarden war, war das eine unglaubliche Erfahrung und die zwei Stunden Fahrt auf jeden Fall wert! Nebenbei habe ich meine Vorliebe fürs Snowboarden entdeckt.

Maria musste 4 Tage vor mir schon zurück nach Mexico und ich habe noch nie zuvor so sehr geweint! Sie war wirklich die beste Schwester, die ich mir hätte erträumen können. Sie hat mich so oft mitgenommen, hat mir so tolle Freunde von sich vorgestellt und war einfach immer so herzlich! Der Abschied war so traurig! Aber sie hat mich eingeladen sie jeder Zeit zu besuchen, was mir ein kleines Lächeln bereitet hat. Ich werde diese Einladung auf jeden Fall annehmen!

An meinen letzten Tagen ließ ich noch meine Canada-Flagge von allen unterschreiben und konnte mich noch von meinen neuen besten Freunden verabschieden. Die haben für mich und eine weitere deutsche Freundin eine Abschiedsparty organisiert. Obwohl wir unglaublich viel Spaß hatten, war es gleichzeitig auch so traurig!

Ich musste packen und fühlte mich einfach so schlecht mein zu Hause in meinem Koffer verschwinden zu sehen.

An meinem allerletzten Tag an der Schule blieben die Mädels nach dem Unterricht, um nach Tränen, noch mit mir Fieldhockey im Regen zu spielen. Das war wirklich der schönste Abschied, den ich mir hätte vorstellen können!

An meinem letzten Abend musste ich mich dann schon von meinem Dad verabschieden, weil er morgens arbeiten musste und mich somit nicht zum Bus begleiten konnte. Ich habe noch einen Film mit Eileen geguckt um mich abzulenken, was nicht so wirklich geklappt hat.

Am nächsten Morgen hat mir Eileen dann noch ein tolles Frühstück gemacht wie es es sonst nur am Wochenende gab. Ich musste mich von Ella verabschieden und musste da schon weinen. Am Bus wurde das auch nicht besser und ich wollte nicht gehen! Alle haben geweint, aber dieser Abschied war so viel schwerer als der von Deutschland. Ich hatte dort die Zeit meines Lebens und ich wollte nicht, dass die endet! So fing der Februar für mich wieder in Deutschland an.

Dieses Abenteuer werde ich niemals vergessen, und hoffe sobald wie möglich zurückkommen zu können.

Irgendwie bin ich selbst zum Teil Canadierin geworden - offener, selbstbewusster und toleranter.
Ich vermisse die unbegrenzte Freundlichkeit der Menschen, meinen Alltag, meine Familie und die Berge.

Es ist toll zu wissen jetzt überall auf der ganzen Welt Freunde zu haben und immer wieder Geschichten von da zu hören.

Jeder der die Chance hat das mit zu erleben, sollte sie auf jeden Fall ergreifen. Ich würde die gleiche Entscheidung, jederzeit wieder genauso treffen!