Orewa College: Ronja E.

Kia Ora! 
Am 18. Januar begann die Reise ans andere Ende der Welt für mich am Flughafen in Zürich. Meine Großeltern hatten mir einen Traum ermöglicht und endlich würde er wahr werden! Die Wochen davor war meine Aufregung und Nervosität gewachsen, je mehr ich über meine Schule, Gastfamilie oder Neuseeland im Allgemeinen erfahren hatte. Meine Schule war das Orewa College nördlich von Auckland, das ich wegen des musikalischen Angebotes ausgewählt hatte, somit war auch meine Querflöte mit dabei.

Ich erinnere mich genau daran, wie ich durch die Sicherheitskontrolle ging, nachdem ich mich von meinen Eltern, meinen Brüdern und meinen Großeltern verabschiedet hatte. Damals war mir nicht klar, wie schnell die 6 Monate um sein würden. Von Zürich aus flog ich erstmal nach Frankfurt, wo ich meine Gruppe treffen sollte, was ich nach einigen Anläufen auch schaffte (ein Gate in Frankfurt zu finden ist nicht mal so einfach) und über Singapur flogen wir dann nach Auckland, wo wir von NtoZ, der Partnerorganisation von iSt empfangen wurden und von unseren ersten Gastfamilien abgeholt wurden.

Für die Vorbereitungswoche lebte ich mit zwei anderen Mädchen in einer Gastfamilie in der Blockhouse Bay, von denen eine auch auf das Orewa College gehen würde. In dem Kurs haben wir viel über Neuseeland erfahren und vor allem auch über Auckland, durch die vielen Ausflüge. Unter anderem waren wir auf dem Skytower, haben eine Hafenrundfahrt gemacht und waren an einem wunderschönen Strand, dem Piha Beach. Jeden Tag nach dem Kurs ging ich mit meinen Gastschwestern in die Stadt, die den totalen Kontrast zu meinem kleinen Dorf in Deutschland bildete.

Samstag war dann der große Tag da, ich sollte meine Familie für das nächste halbe Jahr kennen lernen. Meine Gastschwester aus Brasilien war schon drei Tage vor mir nach Orewa angereist, außerdem hatte ich drei Gastgeschwister aus der Familie, meine Gasteltern natürlich und zusätzlich lebte der Freund meiner ältesten Gastschwester im Haus – Großfamilie also. Mit einem Bus wurden wir vom Auckland Museum zum Orewa College gebracht, denn wir waren insgesamt ganze 13 Leute.

Ich hatte von Deutschland aus über facebook schon Kontakt zu meiner Gastmutter gehabt und erkannte sie sofort. Danach folgte gleich mein erster Supermarktbesuch, bevor ich meine restlich „Familie auf Zeit“ sowie Orewa kennenlernen sollte.

Orewa ist eine kleine Stadt direkt am Meer und mein Haus lag auf einem Hügel am nördlichen Ende, wodurch ich einen ziemlich langen Schulweg hatte, den aber die wunderschöne Aussicht auf die Whangaparaoa-Halbinsel und natürlich das Meer entschädigte.

Am Dienstag war unsere „Einschulung“. Zusammen mit den ungefähr 40 anderen neuen Internationals mussten wir unsere Fächer wählen, insgesamt 7. Ich wählte einige Fächer, die es in Deutschland gar nicht gab, wie Catering (Kochen), Creative Pattern Making (Nähen) und Performing Arts, welches auch mein Lieblingsfach war. Zusätzlich hatte ich noch NZ Studies, ein Fach nur für Internationals, wo wir einiges über die neuseeländische Kultur und Lebensweise lernten. Der Abschluss des ersten Schultages war eine Führung durch die komplette Schule, doch die ersten zwei Wochen lief ich immer noch mit einer Karte herum, immerhin war das Schulgelände  mehrere Hektar groß. 
Eine Schuluniform mussten die Internationals am Orewa College nicht tragen, ebenso wie die Schüler des Abschlussjahrgangs. Da beides bei mir der Fall war hab ich mir dann auch keine gekauft (immerhin 300$NZ).

Mittwoch machten wir dann noch einen Trip auf eine Schaffarm, und Donnerstag begann der Unterricht für uns. Ein normaler Schultag besteht am Orewa College aus der Form Class oder einem Assembly (eine Versammlung von der Jahrgangsstufe oder dem Haus) und 5 Schulstunden zu je einer Stunde. Die Form Class beginnt um 8:40 Uhr und geht 20 Minuten, um 11:00 Uhr ist 25 Minuten Intervall, und um 13:25 beginnt die Lunchtime bis um 14:15. Um 15:15 ist die Schule vorbei und man kann in der Schule bleiben, um Sport zu machen oder in eine der Bands zu gehen oder etwas mit Freunden unternehmen. Ich selbst war im Chor und der Concert Band, einer Art Orchester. Unterricht für Instrumente kann man am Orewa College auch nehmen, dieser findet während der Schulstunden statt.

Es gibt 5 Häuser und man ist mit der Form Class im selben Haus. Es gibt Sportwettkämpfe zwischen den Häusern für die Punkte verteilt werden. Ich selbst war in McLaren (die Häuser sind nach berühmten Neuseeländern benannt), aber das einzige Mal, dass ich in an einem Sportwettkampf war, war der Tabloid Sports Day. Die ganze Schule spielt dort Spiele, was ziemlich Spaß macht. Wir mussten zum Beispiel Seilhüpfen oder Wasserrutschen hochlaufen.
Am Orewa College waren viele Internationals, aber in den verschiedenen Kursen hat man auch viele „Kiwis“ kennengelernt und dadurch, dass nicht alle Internationals Deutsche waren, habe ich meistens Englisch gesprochen. Ich halte es für einen Vorteil, denn man lernt Menschen aus der ganzen Welt kennen und schließt auch viele Freundschaften.

Wir hatten einen Dean, eine Koordinatorin, und egal welches Problem man hatte, man konnte sich an sie wenden. Judy und Marie, ihre Sekretärin, sind wirklich Engel. Als ich krank war, hat sie einen Termin beim Arzt mit mir gemacht, ist mit mir dorthin gegangen und hat gleich auch noch die Medikamente besorgt. Die Versicherung lief ebenfalls über sie, heißt wir haben das Geld, das wir beim Arzt bezahlen mussten, von ihr wiederbekommen.
In meiner Freizeit ging ich mit Freunden an den Strand und am Wochenende auch mal in die Mall nach Albany, einem Vorort von Auckland, oder nach Auckland selbst.

Trips habe ich mehrere gemacht. Mit einer Organisation fuhr ich in den Ferien auf die Südinsel die auf jeden Fall einen Besuch wert ist, außerdem war ich in Hobbiton, dem „Herr der Ringe“ Filmset und in der Bay of Islands. Mit der Schule waren wir auf einem Camp am Pakiri Beach, surfen am Muriwai Beach, auf einer Vogelschutzinsel und in einem Maoridorf. Ich war noch auf dem „Band Camp“, wo wir von der Concert band aus probten, was eine tolle Möglichkeit war auch Kiwis besser kennenzulernen.

Die „typische“ High School Erfahrung war dann der Ball im Juni. Es war ein wunderbarer Abend und obwohl es schwer war, ein bezahlbares Kleid zu finden, hat es sich eindeutig gelohnt, denn ich werde es nie vergessen. 
Sich nach einem halben Jahr zu verabschieden, ist schwergefallen. Ehrlich gesagt hab ich es nicht begriffen, bis ich dann in Zürich meine Eltern wieder umarmt habe. Die meisten von den Internationals, aus denen mein Freundeskreis bestand, sind jetzt auch wieder zuhause, aber der Kontakt bleibt, und ich werde sie ganz sicher eines Tages wiedersehen, genauso wie Neuseeland, meine zweite Heimat.

„Das Reisen führt uns zu uns zurück.“ - Albert Camus