Nayland College: Laura J.

Obwohl ich schon seit über fünf Wochen wieder zu Hause bin, kann ich es immer noch nicht so ganz fassen, dass ich das wirklich gewagt habe. Mit „das“ meine ich, eine Zeit im Ausland zu leben und zur Schule zu gehen. Angefangen hat alles im Sommer 2006 als ich ein Buch über ein Mädchen gelesen habe, das ein Jahr in den USA gelebt hat. Sofort hat mich das große Fernweh und die Abenteuerlust gepackt - ich wollte auch ins Ausland. Diese Gedanken habe ich allerdings schnell wieder verworfen, konkret wurden sie erst im Sommer 2007, als ich in der Schule Broschüren von Organisationen gesehen habe, die Auslandsaufenthalte anboten. Nachdem ich mir etwa fünf verschieden Broschüren geschnappt und durchgeblättert hatte, entscheid ich mich schnell für iSt und es wurde mir klar, dass es außer den USA auch noch andere spannende Länder gab. Weil mich die Bilder von Neuseeland derartig faszinierten, war der Entschluss schnell gefallen - Ich gehe nach Neuseeland! Ein weiterer Pluspunkt für Neuseeland ist, dass man sich die Schule direkt aussuchen kann. Nach einigem Hin und Her entschied ich mich für einen dreimonatigen Aufenthalt von Januar bis März 2009. Die Zeit bis dahin schien noch ewig zu sein, doch dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Ich weiß noch genau, wie es war als ich den iSt Brief mit den Infos über meine Gastfamilie erhalten habe- ich habe fast geweint vor Glück!

Nach einer fast endlosen Reise, die aber durch die supernette Crew und das tolle Bordangebot von Singapore Airlines angenehmer als erwartet war, kam unsere Riesengruppe von Jungendlichen am 23. Januar endlich in Auckland an. Der letzte einstündige Flug nach Wellington verging dann wortwörtlich wie im Fluge. In Wellington verbrachte ich die erste Woche meines Aufenthaltes und wohnte mit fünf anderen deutschen Mädels bei einem total lieben älteren Ehepaar. Unsere Gastmum war wie eine Oma und backte und kochte jeden Tag die tollsten Dinge für uns, so dass wir schon in der ersten Woche in den Genuss einer typischen Pavlova kamen. Dann ging es weiter nach Nelson.

Das erste Wochenende verbrachte ich bei den door-to-door neighbours, da meine Familie noch im Urlaub war. Ich war sehr aufgeregt, als sie schließlich zurück kamen und ich bei ihnen an der Haustüre klingelte. Aber sie waren mir von Anfang an sympathisch! Sie wohnten in Stoke, einem Vorort der Stadt Nelson und zum Nayland College waren es nur fünf Minuten zu Fuß.

Meine Gastfamilie bestand aus meinen Eltern und drei Brüdern, 16, 19 und 21 Jahre alt. Der 19-jährige studierte allerdings in Wellington, so dass ich ihn nur in den Ferien sah. Kurzzeitig wohnte auch die Freundin meines ältesten Gastbruder bei uns, bevor beide nach Australien zogen. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Wir spielten abends oft Karten, schauten gemeinsam Filme oder redeten einfach nur. Ich glaube, meine Mum war froh, auch mal ein Mädchen zu haben.

Meine Schule, das Nayland College, ist auf einem großzügigen Campus gebaut, mit zwei großen „sports fields“, wo man in der „lunchtime“ gemütlich in der Sonne sitzen kann. Die Schule ist sehr modern und technologisiert, es gibt mehrere Computerräume mit insgesamt etwa 700 PCs. Das Fächerangebot ist riesig und die Betreuung für die Internationals erstklassig. Meine Fächer waren: English, French, Music, Marine Science, Hospitality und Outdoor Education. Der Unterricht war viel gelassener und praxisorientierter als in Deutschland (wir waren z.B. mit dem Motorboot unseres Marine Science Lehrers fischen) und das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern viel freundschaftlicher. Das einzige, was mich etwas störte war, dass an der Schule etwa 30 Deutsche waren, so dass man als deutsche Austauschschülerin nichts Besonderes mehr war. Trotzdem habe ich mit der Zeit nicht nur Deutsche als Freunde gefunden, sondern auch Japaner, Chinesen, Brasilianer und auch Kiwis (auch wenn das ein wenig dauert!). Man muss sich einfach irgendwo dazusetzen und drauflos plappern-Scheu vor der fremden Sprache zu haben hilft in diesem Falle überhaupt nicht.

Apropos Sprache: Obwohl ich „nur“ drei Monate in Nelson war, hat sich mein Englisch deutlich verbessert. Während ich mir anfangs noch die Worte im Kopf zurecht legte, redete ich gegen Ende wie ein Wasserfall. Ich dachte und träumte sogar auf Englisch.

In diesen drei Monaten habe ich soviel erlebt und Dinge über mich selbst erfahren, wie ich es hier niemals getan hätte. Höhepunkte waren auf jeden Fall das Outdoor Education Camp in Abel Tasman National Park und der Osterurlaub mit meiner Familie in den Marlborough Sounds. Die Natur und Landschaften Neuseelands sind wirklich atemberaubend schön, wie man ja in Filmen wie Narnia und Herr der Ringe sehen kann. Mit dem Wetter hatte ich Glück, es schien meistens die Sonne und ich war viel draußen, so dass jetzt alle neidisch auf meine Bräune sind. Am Strand, Rad fahren, spazieren…

Die Zeit in Aoterao, wie die Maori ihr Land nennen, verging viel zu schnell. Schon war der 18. April da und ich verabschiedete mich unter Tränen morgen um halb 7 morgens am Flughafen von Nelson von meinen Gasteltern und einer Freundin, die extra gekommen war.

In diesen drei Monaten hatte ich überhaupt kein Heimweh, obwohl ich natürlich meine Familie und Freunde vermisste. Ich war aber viel zu beschäftigt um irgendwie traurig zu sein. Ich werde diese drei Monate nie vergessen und bin wahnsinnig froh, dass mein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen ist! Trotzdem bin ich auch froh wieder zu Hause zu sein. Ich kann aber so einen Auslandsaufenthalt jedem empfehlen, das ist eine Erfahrung, die man im Leben nur einmal macht!

Laura Jung

Nayland College, Nelson

Januar – April 2009

Weitere Erfahrungsberichte aus Nelson