William Colenso College: Katrin J.

Die Idee, für einige Zeit ins Ausland zu gehen, dort die Schule zu besuchen, ein fremdes Land mit anderen Menschen und einer anderen Kultur kennen zu lernen, hatte mich schon lange fasziniert, schien allerdings immer unrealistisch und riskant zu sein. Trotzdem informierte ich mich und entschied mich nach langen Recherchen dazu, für drei Monate in Neuseeland als Schülerin des William Colenso Colleges zu leben - lang genug, um den Alltag dort kennen zu lernen und die Sprache zu verinnerlichen, aber kurz genug, um nach der Rückkehr keine Probleme mit der Rückeingliederung in die Schule zu haben, so meine Überlegungen. Außerdem bestand die Möglichkeit, meinen Aufenthalt zu verlängern.

Schließlich war es soweit: Ich saß im Flieger ans andere Ender der Welt, mit einem 23 Kilo schweren Koffer im Gepäck ( was für 3 Monate recht wenig ist!!) und einer großen Portion Vorfreude, aber auch ein bisschen Angst vor dem Schritt ins Ungewisse.

Nach einem sehr langen Flug kam ich endlich in Wellington an, wo ich und meine deutsche Gastschwester, die auch ans William Colenso College gehen würde, von meiner Gastfamilie für die erste Woche, einer freundlichen älteren Dame, deren erwachsene Tochter bei ihr lebte, abgeholt wurde. Der Vorbereitungskurs in Wellington war zwar sicherlich hilfreich, was Slangwörter etc anging, allerdings waren alle während des Unterrichts recht müde wegen des Jetlags und wir konnten es alle kaum erwarten, dass es endlich "richtig" losging.

Doch auch diese Woche ging wie im Flug vorbei und bald schon hieß es wieder Koffer packen, auf nach Napier. Dort fiel der Empfang meiner Gastmutter leider wenig herzlich aus, auch mein taiwanesischer Gastbruder zeigte wenig Interesse und blieb nur in seinem Zimmer, weshalb ich mich in der Anfangszeit ziemlich einsam fühlte. So erkundete ich die Stadt auf eigene Faust, mit einem Stadtplan immer in der Tasche. Ich mochte besonders die Innenstadt, die zwar nicht extrem groß ist, aber einige schöne Läden hat und auch sonst hübsch aussieht, besonders wegen der Palmen.

Da jedoch bald die Schule anfing, was das alles halb so schlimm. Vor dem regulären Schulbeginn hatten wir Internationals ein paar weitere Vorbereitungstage, hauptsächlich wurden uns Regeln vorgetragen und wir wählten unsere Kurse- ich hatte Drama, Biologie, Media Studies, Englisch, Mathe und Outdoor Education. Während dieser Vorbereitungszeit lernten wir die anderen Internationals kennen - hauptsächlich Deutsche, allerdings sprachen alle fast von Anfang an nur Englisch.
Der neuseeländische Schulalltag unterscheidet sich stark vom deutschen, was ich recht angenehm fand. Da die Schule später als in Deutschland anfing und ich nur wenige Minuten von der Schule entfernt wohnte, konnte ich ziemlich lange schlafen. Auch der Tag an sich, wenn auch etwas länger als in Deutschland, war entspannter, da man einfach weniger Fächer hat und Drama zum Beispiel macht einfach Spaß, außerdem gab es mehr und längere Pausen, in denen ich mir immer gerne Cookies oder Schokokuchen (echt zu empfehlen!) bei der Cafeteria kaufte.

Wenige Wochen nach Schulbeginn stand das jährliche Art Deco Festival an, wohin ich mit einigen Internationals und neuen Bekannten aus der Schule ging. Da die Stadt 1931 von einem Erdbeben zerstört und wieder im Art Deco Stil aufgebaut wurde, verkleiden sich alle und "pilgern" zur Sound Shell, eine Freiluftbühne am Strand, wo dann Musik, hauptsächlich Jazz, gespielt wird. Tagsüber gab es auch eine Parade von Oldtimern in der Innenstadt. Wir hatten richtig viel Spaß dort und dieses Festival ist eines der Hauptattraktionen Napiers und wirklich einen Besuch wert.

Nach diesem Festival wechselte ich meine Gastfamilie, da sich die Situation nich verbessert hatte und ich mich immer noch unwohl und unwillkommen fühlte. Die Schulkoordinatorin war auch eine große Hilfe beim Wechsel, sie war sehr verständnisvoll und ermöglichte mir einen schnellen Wechsel.
Meine neue Hostmum war dann einfach fantastisch. Es war eine alleinstehende, liebenswürdige Frau mit zwei Hunden, einer Katze und Hühnern, die ihre Tiere über alles liebte. Unser Zusammenleben war entspannt, abends redeten wir und schauten zusammen Fernsehen. Nach dem Abendessen machte ich den Abwasch, außer Mittwochs, da wir dann die Rollen tauschten und ich kochte.

In meiner Freizeit unternahm ich viel mit den anderen Internationals, nahm Teil am Softballtraing nach der Schule oder ging Joggen mit Freunden, einmal auch Treppenlaufen mit einem Rugbyspieler, was vielleicht nicht das Klügste war, es war wirklich anstrengend. Am Wochenende gingen wir ins Kino, zum Strand (um an einen Strandabschnitt zu kommen, an dem man tatsächlich schwimmen konnte, nahmen wir auch einstündige Fußmärsche auf uns) oder zum Hafen, von wo aus man super ins Wasser springen konnte, was bei den Kiwis sehr beliebt war.

Auch mit der Schule machten wir Ausflüge, zum Beispiel gab es den sogenannten "Enrichment Day", an dem man sich eine von ca. 30 Aktionen aussuchen konnte, ich wählte Mountain Biken. Geplant war, dass wir gegen 7 Uhr abends wieder zuahuse waren, daraus wurde aber halb eins nachts. Es war die schlimmste Fahrradtour meines Lebens, ich hätte nicht geglaubt, dass Fahrradfahren so anstrengend sein könnte, aber nach 47 Kilometern auf und ab auf Schotterwegen war ich dann doch sehr stolz auf mich.

Ein Highlight war auch der Kajaktrip mit Outdoor Education. Wir lernten verschiedene Techniken, die wir direkt auf einer Tagestour anwenden konnten, in einer wirklich wunderschönen Gegend.
Zusätzlich gab es einen viertägigen Trip nach Rotorua für die Internationals. Wir besuchten eine Schafshow, hatten einen traditionellen Hangi, eine Gondelfahrt, waren an viele Seen und Thermalquellen und noch vieles andere und hatten einfach richtig viel Spaß. Auf dem Weg kamen wir auch an Lake Taupo vorbei, wo ich meinen Bungge-Sprung machte.

Ich habe so viel Neues erlebt und neue Leute kennen gelernt in diesen drei Monaten und leider verging die Zeit viel zu schnell. Ich habe oft über eine Verlängerung nachgedacht, aber letztendlich habe ich zu lange abgewartet und irgendwann war es dann eben zu spät. Ich habe einige Sachen in Neuseeland verpasst, zum Beispiel die Theateraufführung von Drama oder den Schulball. Drei Monate vergehen einfach viel schneller, als man denkt, deshalb empfehle ich jedem, für 2 Terms ins Ausland zu gehen. Nach drei Monaten hatte ich mir dort so etwas wie ein anderes Leben aufgebaut und musste dann auch schon wieder gehen, was einfach zu früh war.

Trotzdem hatte ich eine wunderbare Zeit und bin froh über jede neue Erfahrung die ich gemacht habe und ich habe viel aus meiner Zeit in Neuseeland mitgenommen.