Havelock North High School: Tim F.

Neuseeland-Erfahrungsbericht

Mein Name ist Tim und während meines halbjährigen Aufenthaltes in Neuseeland war ich fünfzehn Jahre alt. Ich hatte mich für den Ort Havelock North auf der Nordinsel in der Nähe von Napier entschieden was ich im Nachhinein als komplett richtige Entscheidung sehe.

Als Einstieg in mein Neuseelandleben fand erst einmal ein Vorbereitungstreffen der Organisation in Wellington für alle Internationals statt. Wir haben dort eine Schule besucht die extra für uns in den Ferien geöffnet wurde. Untergekommen sind wir dort auch in einer Gastfamilie. Aber diese Gastfamilie ist eigentlich nur zum Schlafen und Essen da gewesen. Aufgeteilt wurden wir in jeweils Dreiergruppen und jede Gruppe bestand aus Schülern, die später auch in den gleichen Bezirk kommen würden. Da meine Familie ein bisschen außerhalb von Wellington wohnte, nahmen wir jeden Tag den Zug um in die Innenstadt zu fahren, wo sich die Schule befand. Der Unterricht begann immer um 8:45 und ging glaube ich bis kurz nach drei. Der Unterricht war nicht ein typischer Unterricht, sondern war extra für uns arrangiert worden. Spezielle Lehrer haben uns dann vormittags etwas über die Neuseelandkultur, -leben und -sprache (Slang) beigebracht. Die Lehrer waren alle so zwischen 20 und 30 Jahre alt was bei Jugendlichen natürlich besser ankommt als ältere Leute. Man kann sich den Unterricht etwa so vorstellen, dass man wie in der Grundschule alles bei einem Lehrer hat und es keine Noten gibt. Nach der Schule haben wir dann immer alle etwas unternommen. Von Paintball über eine Stadtbesichtigung bis hin zu einem großen gemeinsamen Lunch war alles vertreten was man sich so in einer Woche wünschen kann. Meine Gasteltern und Mitbewohner waren auch sehr nett. Da musste man sich keine Sorgen machen, dass es einem nicht gefällt. Was ich sehr gut fand, war dass wir Katzen und Hunde hatten. Das ist auch typisch für NZ, dass die Familien dort eigentlich immer wenn es möglich ist, Tiere halten. Meistens Hunde, aber auch Katzen und ein paar auch Kühe und Schafe, die dann allerdings nicht drinnen leben dürfen. Haustiere sind auf jeden Fall ein großer Pluspunkt, da man mit ihnen spielen, kuscheln und reden kann falls man Heimweh oder einfach nur etwas auf der Seele hat, wenn man sich aber nicht traut, mit den Gasteltern drüber zu reden. Nach dieser Woche ging es dann weiter in Richtung des ausgewählten Ortes. In meinem Fall Napier, da dort der nächste Flughafen zu Havelock North war.

In Wellington hieß es dann sich von der Gastfamilie und den anderen Schülern zu verabschieden. Wenn man sich vorher mit seinen Zimmergenossen anfreundet, ist das auch sehr nützlich, da man zusammen weiter fliegt. Ab diesem Augenblick ist man eigentlich das erste Mal auf sich alleine angewiesen, da bis zu diesem Punkt immer ein Organisationsbegleiter dabei war, sogar auf den Flügen von Deutschland nach Neuseeland. Aber das schafft man dann auch, da überall Leute sind, die einem freundlich helfen. Man muss sich nur überwinden diese dann auch zu fragen.

Am Zielflughafen, der meistens ziemlich klein ist, wartete dann auch schon meine Gastfamilie. Meine Gastmutter kam aus der Menge gerannt und hat mich stürmisch umarmt, gefolgt von meinem Gastvater und meiner Gastschwester. Ich glaube die Begrüßung hat mir so ungefähr tausend Steine vom Herz fallen lassen, da ich vorher ziemlich angespannt war wie meine Familie wohl sein wird. Ich wusste auch nur das, was in der Familienbeschreibung stand, da ich zu viel Angst hatte mit ihnen zu skypen oder zu telefonieren. Was ich im Nachhinein schon ein bisschen bereue. Jedenfalls waren meine Gasteltern von dieser ersten Sekunde an total offen und ich konnte über alles mit ihnen reden.

Zu Hause angekommen, hat mir meine Gastmutter mein Zimmer und alle anderen wichtigen Dinge, wie Badezimmer, Küche und so weiter, gezeigt. Ich hatte ein schönes großes Bett mit vielen Kissen und fühlte mich einfach nur wohl in meinem Raum. Das Bett war neben dem Schrank auch das einzige im Raum, was ihn aber nicht hässlich oder karg machte. Ganz im Gegenteil. Er war mit total viel Liebe mit Accessoires geschmückt worden. Das jedoch nur ein Bett im Raum war, hatte den Vorteil, dass ich von Anfang an mehr oder weniger dazu gezwungen war, mich im Wohnraum und Küche aufzuhalten. Dort habe ich mit meiner Gastmutter Spiele gespielt, mit meinem Gastvater fern gesehen oder einfach nur gechillt.

Morgens und vormittags bin ich dann vom ersten Tag an zur Schule gegangen. Man muss sich das ungefähr so vorstellen, dass man jeden Tag ausschlafen kann, da die Schule erst um viertel vor neun beginnt. Zur Schule hat mich erst noch meine Gastschwester gebracht, da sie zur gleichen Zeit gegenüber der Schule arbeiten musste. Und da sie im Kindergarten gearbeitet hat, konnte ich da auch noch immer so fünf bis zehn Minuten mit den kleinen Kindern spielen. Im September ist sie dann wieder zurück nach Deutschland geflogen. Ab dann habe ich jeden Tag den Schulbus genommen. Was auch eigentlich die beste Variante ist, da man so schneller Leute kennen lernt und Kontakte knüpft, aber auch hier gilt immer selber ansprechen und Interesse zeigen, da es einfach offener und netter ankommt. Das Schulsystem ist an sich sehr anders als das in Deutschland: Man wählt als erstes seine sechs Fächer, von denen man dann ein halbes Jahr lang jeden Tag fünf in einer anderen Kombination hat. Der Stundenplan ist auch in neun Tage unterteilt was am Anfang komisch ist aber dann auch zur Gewohnheit wird. Ich habe mich für zweimal Sport ( P.E.), Kochen ( Hospitality), Mathe, Englisch und Handarbeiten ( Engeneering Skills ) entschieden. Es gibt jedoch noch viele weitere Fächer zur Auswahl. Das Gute ist, dass man sich die Fächer so zusammenstellen kann wie man will und nicht wie in Deutschland, wo man von allem etwas nehmen muss. In Sport haben wir immer andere Sportarten ausprobiert, von Touch-Rugby bis Frisbee war so eigentlich alles dabei. In dem Fach Kochen haben wir immer ein Rezept bekommen und dann in Gruppen die Zutaten mitgebracht und gekocht. Mein absolutes Lieblingsfach war Engeneering Skills. Wir waren nur sehr wenige Schüler und daher war auch die Atmosphäre sehr relaxed. Als Projekt habe ich eine Uhr nach eigenem Design gebaut.
Der größte Unterschied ist jedoch das Schüler-Lehrerverhältnis: Man ist zwar immer noch respektvoll und nett zu seinen Lehrern, aber die Lehrer sind auch schon so ein bisschen Kumpels für die Schüler. Auch die Ansprechpartner für Internationals sind meistens sehr nett und kümmern sich um Ausflüge wie eine fünftägige Skifahrt oder der am Ende stattfindenden Outdoor-Education-Week: Hier haben wir jeden Tag andere coole Sachen gemacht, wie Knochen schnitzen, richtige Flugzeuge fliegen oder einem dreitägigen Wandertrip in den Tongariro National Park plus Fallschirmspringen und Bungee Jumping. Ich persönlich fand diese Wochen eine der besten Dinge, die ich erlebt habe. Man sollte diese nicht verpassen und auch die Chance nutzen wenn man Outdoor Education als Fach nehmen kann.
Dort hat man wahrscheinlich die größte Wahrscheinlichkeit ausgefallene Sachen in Neuseelands so bekannter Natur zu machen. Ich hatte auch neben der Schule Glück viel Natur zu erleben: Meine Gastvater hatte ein Boot und mehrere Angeln. Wenn wir nicht auf dem Meer angeln waren, konnte ich mir die Angeln nehmen und mit einem Kumpel zum Tukituki River fahren. Dort haben wir dann versucht Forellen zu angeln, aber diese waren nicht so hungrig wie erwartet. Daher blieb die Ausbeute mit einem gefangenen Fisch eher knapp, aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Angeln wurde generell zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Wir (meine Gastfamilie und ich) waren auch einmal mitten im „Native Forest“ campen. So ganz alleine im Wald am Lake Waikaremoana war schon bombastisch. Jeden Tag sind wir auf den See gefahren um auch Forellen zu angeln. Hier waren wir etwas erfolgreicher; 30 Fische in 4 Tagen. Zusammen mit der gesamten Familie und Freunden haben wir uns ein eigenes Tipi gebaut, Feuer gemacht, Holz gehackt, gekocht und einfach nur relaxed. Einen Freund durfte ich auch mitnehmen. Er war zwar Deutscher, aber wir haben immer zusammen englisch gesprochen. Das ist halt wirklich wichtig, dass man so viel wie möglich englisch spricht, auch mit deutschen Freunden, da man so viel netter auf Kiwis und andere Internationals wirkt. So findet man viel schneller mehr und neue Freunde und es verbessert auch noch das Englisch.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Erfahrung die ich gemacht habe ehrlich nur weiterempfehlen kann und möchte. Es ist einfach unbeschreiblich schön und man will eigentlich immer dort bleiben. Als sehr guten Nebeneffekt verbessert sich das Englisch von einem so gut, dass man es am Ende fließend spricht. Und wegen Schule und Zeugnis muss man sich auch keine Gedanken machen.
Ich habe meine Zeit sehr genossen und stehe immer noch mit meiner jetzt zweiten Familie in Kontakt. Pläne für ein Wiedersehen sind schon geplant: Entweder hier oder dort. Dieses halbe Jahr war echt eines der Besten in meinem Leben und ich glaube, dass man so etwas mit nicht so vielem vergleichen oder gleichstellen kann.