Sidney: Lisa W.

Mein Name ist Lisa und ich bin im Dezember 15 Jahre alt geworden. Ich war für zwei Monate in Sidney auf Vancouver Island, zwei Stunden mit der Fähre von Vancouver entfernt. Auch wenn ich nur kurze Zeit dort war, kann ich sagen, dass die Landschaft mit Abstand die schönste war, die ich je gesehen habe. Die Leute sind alle sehr offen und man lebt sich total schnell dort ein.

Ich bin von Frankfurt aus am 1. Oktober geflogen, zusammen mit zwei anderen Internationals. Auch wenn der Frankfurter Flughafen sehr groß ist, konnte man sich relativ gut zurechtfinden. Der Flug verlief ohne große Probleme und wir kamen neun Stunden später in Vancouver an. Von dort aus sollte ich eigentlich mit einem von den beiden weiter nach Vancouver Island fliegen, wir hatten uns aber leider bei den Kontrollen verloren, sodass er letzten Endes den Flug verpasst hatte, was allerdings kein großes Problem für ihn war und ich allein weiter geflogen bin. Dort holten mich meine Gastmutter und mein 8-jähriger kleiner Gastbruder ab. Mein Gastvater arbeitete am Flughafen, deshalb lernte ich ihn dort auch direkt kennen. Zuhause wartete noch meine chinesische, 17-jährige Gastschwester die jedoch für zwei Jahre dort bleiben wollte. Ich glaube ich hatte sehr sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie, weil sie sehr viel erlaubt hatten und dazu auch noch sehr nett waren. Sie sind wie meine 2. Familie.

Dadurch, dass ich einen Monat später als die anderen Internationals an die Parkland Secondary School ging, wurde ich von dem Internationals Lehrer Mr. Tudela eingeführt und dann gings direkt los. Ich konnte meine Fächer auswählen, hatte aber leider nicht mehr die volle Auswahl, da ich mitten in das Schuljahr eingestiegen bin und somit viele Kurse voll waren. Meine Fächer waren anfangs Physical Education, Englisch, Französisch und Digital Media. Dadurch dass ich jedoch die vier Fächer nicht zwei Monate lang jeden Tag haben wollte, konnte ich im Laufe der Woche meine Kurse noch umstellen, so dass ich den Rest meiner Aufenthaltszeit PE (Sportunterricht), Französisch, fitness fun und textiles hatte.

Sowohl PE als auch fitness fun waren wirklich gut. Es war zwar manchmal etwas schwer jeden Morgen, meistens draußen, erst mal 20 Min. zu joggen oder irgendwelche Konditionssachen zu machen, aber es hat auch wirklich etwas gebracht und Spaß gemacht.
Ich hatte mir gedacht, ich tausche die Kurse zu Sport, weil man sich dort mit allen Leuten unterhalten und auch eher Freundschaften schließen kann, als wenn man die ganze Zeit nur im Klassenzimmer hockt.
In PE haben wir eher die typischen Sportarten gemacht, ähnlich wie in Deutschland, z.B. Fußball, Volleyball, Federball... Wir hatten aber auch einen extra Trainingsraum mit Geräten, in dem wir manchmal Körperaufbau trainierten. Eigentlich eher interessant für die Jungs.
Fitness fun war - wie es schon heißt - eher zum Spaß haben. Wir haben oft Sachen außerhalb der Schule unternommen, wie z.B. Golfen, Schwimmen, Curling, Yoga, oder Klettern in der Nachbarschule, waren jedoch auch oft in der Halle und haben einfach Federball, Bodyball ... gespielt.

Französisch war relativ einfach. Dadurch, dass die Schüler dort nicht jedes Jahr die gleichen Fächer haben, sondern eher im Laufe der Schulzeit mal alle Fächer „kennengelernt“ haben, waren sie in Französisch zehn nicht sonderlich weit. Haben grade mal Infinitiv und Passe Composer gehabt. Die Vokabeln jedoch alle ins Englische zu übersetzen, fiel einem dann doch etwas schwerer.

Textiles hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben erst gelernt, wie man mit einer Nähmaschine umgeht und danach an Projekten gearbeitet. Z.B. haben wir Taschen genäht, oder Decken... Man konnte auch mehr über die Designerschiene gehen und selber z.B. Kleidung designen und anfertigen. Das war einem eigentlich selbst überlassen.

Die Schule war immer so gegen kurz vor 15 Uhr aus, und danach sind wir meistens mit dem Bus noch nach Sidney in die „Stadt“ gefahren. Es war zwar nur 5 Min. Fahrt, und auch nur eine einzige kleine Straße, aber trotzdem total schön. Sie war dazu auch noch direkt am Wasser. Dort gab es sogar zwei Starbucks und ein paar Supermärkte, eine Konditorei und einen kleinen Schuhladen und noch ein paar andere Boutiquen. Meistens bin ich mit ein paar anderen Internationals und / oder Kanadiern noch einen Kaffee trinken gegangen und dann bin ich mit dem Bus nach Hause gefahren.

Bei uns gab es immer Punkt 18 Uhr Dinner, das einzige gemeinsame Essen am Tag. Danach sind wir oft noch in kleiner Gruppe Schwimmen oder ins kleine Kino in Sidney gegangen (das Kino ist ein großer Tipp, wenn man auf kleine nostalgische Kinos steht!). Freitagabends waren wir auch oft im Panorama, in dem die junge Eishockeymannschaft von Sidney gespielt hat. Nach ein paar Spielen versteht man auch langsam die Regeln - ist eigentlich ganz einfach zu verstehen.

An Wochenenden waren wir eigentlich immer in der größeren Stadt Victoria, die man gut in einer Stunde Busfahrt erreichen konnte. Victoria ist zwar, was Klamotten angeht, sehr teuer, hat aber sehr schöne kleine Boutiquen und Cafés zum Stöbern und Bummeln. Wenn man lang genug rumläuft, entdeckt man die schönsten Ecken.

Abends sollte ich einfach immer Bescheid geben, welchen Bus ich nehme und wann ich dann zu Hause sei, die Uhrzeit war aber mehr oder weniger egal. Da Pubs u.ä. eh erst ab 19 erlaubt sind, waren wir meist nur bei Leuten zu Hause oder - so lang es noch schön war - draußen.

Im Rahmen des Internationals Programm habe ich zwei Ausflüge mitgemacht: Ins Camp Quwanos und nach Vancouver.
Das Camp war mehr zum Kennenlernen von allen anderen Internationals. Es gab zwar zwei „Kletteraktionen“, das war aber eher zweitrangig …
Der Vancouver Trip hatte sich wirklich gelohnt. Zwei Stunden Fähre, danach sind wir ins Aquarium, was ich allerdings ein bisschen überflüssig fand. Dann sind wir noch auf einer Brücke über einen Fluss gelaufen und danach endlich in die Stadt rein gefahren, wo wir für drei Stunden in der Gegend der Robsonstreet herumlaufen durften. Vancouver ist zwar (zumindest die Robsonstreet) noch teurer als Victoria, ist aber eine tolle Stadt. Dort gibt es auch wieder H&Ms und andere Shopping Ketten, die wieder etwas günstiger waren … Der Ausflug war leider ohne Übernachten, hatte sich aber auf jeden Fall gelohnt. Vancouver sollte man sich, wenn man in dem Umkreis ist, auf jeden Fall anschauen.

Mit meiner Gastfamilie war ich einmal bei einem großem Hockeyspiel: Canada gegen Russland. Auch wenn Canada verloren hat, werde ich das wohl nicht vergessen. Es war wie im Film, anders als Fußballspiele. Das Stadion war auch mit ca. 8000 Leuten komplett voll besetzt. In jeder kurzen Spielunterbrechung konnte man Sachen von Geld bis hin zu Müsli oder Chips Packungen gewinnen. Da müsste man eigentlich denken, dass die Leute sich gar nicht mehr aufs Spiel konzentrieren, aber die Stimmung war trotzdem gigantisch.

Ansonsten habe ich keine besonders großen Ausflüge mit meiner Gastfamilie unternommen, was für mich aber kein Problem war, weil ich meistens etwas mit Freunden gemacht habe. Von daher war ich eher froh, dass ich nicht jedes Wochenende in irgendein Museum gehen musste.

Whale Watching habe ich natürlich auch noch, zusammen mit einem anderen International student, gemacht, allerdings erst im November. Wir hatten leider das Pech, keine Wale zu sehen, hatten aber trotzdem sehr viel Spaß. Wir sind mit einem Boot für zehn Passagiere mit (ich glaube) 60 km/h ca. vier Stunden übers Meer gefahren. Für Leute, die schnell seekrank werden, wäre das wohl nichts gewesen. Aber für alle anderen wäre es das Coolste, was man machen kann! Wir hatten eine Wind- und Wasserschutzausrüstung bekommen, was wirklich nötig war, weil an dem Tag sehr hoher Wellengang war und ab und zu auch mal Wasser ins Boot spritzte. Unser Leiter hat uns dann die verschiedensten Gebiete gezeigt. Wir haben echt viel gesehen, zwar keine Wale aber dafür Robben, Seelöwen, Adler, die verschiedensten Pflanzen an Land und im Wasser … Auf jeden Fall machen, wenn man mal in Canada ist!

Ich habe in Canada noch vieles, vieles mehr erlebt und eine Menge Erfahrungen gesammelt. Und - ganz wichtig - Freunde aus aller Welt gefunden. Egal ob Norwegen, Mexico, China oder natürlich Canada, man lernt alle möglichen Leute kennen. Und Einzelne werden immer sehr gute Freunde bleiben. Auch wenn ich sie erst zwei Monate kannte, der Abschied von all den Leuten und natürlich von meiner Gastfamilie war genau so schwer, wie der von meiner richtigen Familie. Ich hatte mich natürlich auch wieder auf zu Hause gefreut, aber es flossen trotzdem ein paar Tränen.

Ich kann es jedem nur empfehlen, einen solchen Austausch zu machen. Man lernt viel dazu und wird auch selbstständiger und reifer. Diese zwei Monate haben ganz schön viel gebracht.

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