Salt Spring Island: Adelina Boeddinghaus

Saltspring Island – Leben auf der Insel

Am 30.08.2007 begann mein Abenteuer Kanada. Nach einer kurzen Nacht machten wir, meine Eltern und ich, uns auf den Weg zum Düsseldorfer Flughafen. Die letzten Stunden auf der Heimaterde vergingen schnell und so fiel der Abschied von meinen Eltern mir doch ein wenig schwer, allerdings überwog die Vorfreude auf eine aufregende Zeit im weit entfernten Kanada.

Auf dem Flug waren wir eine große Gruppe Jugendlicher mit dem einen gemeinsamen Ziel: KANADA. Bald war der Vancouver Airport erreicht. Während andere ihr Ziel schon erreicht hatten, musste ich noch mit einer kleinen Propellermaschine nach Viktoria auf Vancouver Island fliegen, wo mich meine Gastfamilie erwarten sollte. Dieser Flug war unglaublich schön, da wir über die vielen kleinen Inseln zwischen Vancouver und Vancouver Island flogen.

Meine Vorfreude wuchs weiter, allerdings auch meine Angst, meinen Gasteltern zu begegnen. Während die Gastmutter Robin viele sehr nette E-Mails geschrieben hatte – wir tauschten Rezepte, “Gartenbauratschläge“ und Kosmetiktipps – hatte ich mir von ihrem Lebenspartner Peter noch kein rechtes Bild machen können. Dennoch freute ich mich auf das Leben mit ihnen.

Am Flughafen in Victoria angekommen, wurde ich von Peter empfangen. Als wir mein Gepäck abholen wollten, erfuhren wir, dass es noch nicht da war und erst am nächsten Tag ankommen sollte.

Da es meiner Gastmutter Robin allerdings gesundheitlich nicht gut ging, wollte er schnellstmöglich nach Hause und ich fuhr zunächst mit einer anderen Gastfamilie heim, wo ich den Rest des Tages verbrachte. Von meiner Koordinatorin Shery erfuhr ich später am Telefon, dass Robin ins Krankenhaus gekommen war und ich deshalb nicht wie geplant dort würde leben können. Sie beruhigte mich dass sie noch eine andere Familie für mich finden würde und es ging mir wieder ein bisschen besser. Um mich abzulenken gingen wir an diesem Tag noch zum „Fall Fair“, einer bekannte Kirmes in der Region. Neben Tierschauen und Wettbewerben wie „wer hat den größten Kürbis oder backt den besten Kuchen“ waren die 40-jährigen Karussells wohl die Attraktion, welchen ich aber nicht traute.

Am nächsten Abend war es dann so weit: Ich lernte meine Gastfamilie kennen. Ellen, meine Gastmutter und Hannah, meine gleichaltrige Gastschwester waren unheimlich nett und nun hatte ich endlich das Gefühl dort angekommen zu sein wo ich hinwollte. Ihr Haus war zwar chaotisch aber trotzdem oder gerade deswegen ungemein gemütlich. Von meinem Zimmer aus hatte ich Sicht auf den Ozean und konnte beim Einschlafen den großen Tannen beim Hin- und Herschaukeln zusehen. So schlief ich dann auch ein und erwachte mit meiner Lieblingsmusik. Zuerst konnte ich es nicht glauben, doch dann realisierte ich, dass unten im Wohnzimmer tatsächlich leise „Jack Johnson“ zu hören war. Das musste ein Omen sein! Und das war es auch, denn von nun an war mein Aufenthalt auf Saltspring ein Traum.

Gleich der erste Tag zeigte mir wie man auf der Insel lebte. Nach einer Kajaktour mit allen anderen Internationals auf dem Atlantik schlug mir meine Gastschwester vor mit ihr und ihren Freunden „Lake Hopping“ zu machen. Ich sagte natürlich zu und fror mich fast zu Tode… aber die anderen auch! „Lake Hopping“ bedeutet nämlich, dass man zu einem See der Insel fährt, hereinspringt, sich nass wieder ins Auto setzt, und bei den restlichen sechs Seen diese Prozedur wiederholt. Da es schon Abend und auch schon sehr herbstlich war, waren wir froh, dass alle unsere Autos eine Heizung hatten, denn sonst hätten wir es wohl kaum ausgehalten. Eine heiße Schokolade nach so einem Ausflug ins kalte Nass aber ein Muss.

Auch mit meiner Schule war ich rundum zufrieden. Diese war ein Dreh- und Angelpunkt des Insellebens da es in jeder erdenklichen Sportart ein Schulteam und darüber hinaus Orchester, Chöre und Theatergruppen gab.

Da ich mich sofort gut eingelebt hatte, fiel mir der Abschied von der wunderschönen, ruhigen aber manchmal auch sehr wilden Hippie-Insel sehr schwer, doch wusste ich dass ich im nächsten Sommer alle noch einmal besuchen kommen würde.

Adelina Boeddinghaus

Salt Spring Island 2007