Frankston: Tobias Dumrese

Als ich am 26. März vom Schirmherrn der Schüleraustauschmesse der Bürgerstiftung Region Ahrensburg Duane C. Butcher, Generalkonsul der Vereinigten Staaten von Amerika, und der Organisation IST ein Teilstipendium für Australien überreicht bekam, war meine Freude natürlich groß. Was das für mich wirklich bedeuten sollte, welche Chancen sich dahinter verbargen, konnte ich mir zu dem Zeitpunkt nicht im mindesten vorstellen.

Heute kann ich sagen: I've settled in.

Als ich ankam, sah das noch ein bisschen anders aus:

Ich landete am Samstag, dem 14. Juli, hier in Melbourne. Meinen ersten Eindruck gewann ich dann auch gleich am Flughafen. Die Einstellung vieler Aussies „don´t worry, be happy“, traf mich überraschend nach 40 Stunden, die ich bis dahin auf den Beinen war.

Ich wurde von der Gastmutter einer anderen Austauschschülerin, die ebenfalls in Melbourne gelandet war, abgeholt. Die Gastmutter brachte noch ihre eigene Tochter mit zum Flughafen. So weit, so gut. Als wir samt riesigen Gepäckstücken zu ihrem Auto kamen, konnte ich nicht glauben, was ich sah. Es erschien mir quite komisch, dass die Gastmutter mit einem Coupé gekommen war. Vier Erwachsene mussten mitsamt des Gepäcks von zwei Austauschschülern dort hinein. Don`t worry, be happy ! Im Endeffekt sind wir dann nach einer dreiviertel Stunde mit offener Heckklappe losgefahren. Das war mein erster Eindruck! Im Nachhinein muss ich sagen, das war gar nicht schlimm, nur ungewöhnlich.

Aber von dem Augenblick an, als ich bei meiner Gastfamilie angekommen war, ging alles rund. Wir haben uns von Anfang an besonders gut verstanden. Sehr schnell bildete sich ein echtes Vertrauensverhältnis. Mel und Joel haben keine Kinder, das heißt für mich weiterhin ein Leben ohne Geschwister mit Ausnahme von Patch, einem Hund, der absolut als volles Familienmitglied zählt. Meine Gasteltern sind sehr nett, freundlich, hilfsbereit, offen und absolut relaxt, eine „no worries, be happy-Einstellung“, die oft sehr hilfreich ist. Sie haben viel Erfahrung mit Austauschschülern, ich bin ihr 19. Gastschüler, aber erst der 3. Deutsche. Ich habe ein eigenes Zimmer mit Telefon- und Internetanschluss, den sie eigens für mich in mein Zimmer legen ließen und ein eigenes Bad. Ich fühle mich in der Familie und ihrem Umfeld sehr wohl und gut angenommen. Mein Gastvater Joel besitzt mit seinem Bruder eine internationale Firma und meine Gastmutter Melanie ist eine Sozialarbeiterin der Stadt.

Ich besuche die Frankston High School in Frankston, einem Seebad 40 Kilometer von Melbourne entfernt, gemeinsam mit etwa 1.200 anderen Schülern. Der Schulalltag fällt mir sehr leicht, da in Australien die Inhalte vieler Fächer anders auf die einzelnen Schuljahre verteilt sind als in Deutschland. So wiederhole ich zurzeit in der 11. Klasse zum Beispiel in Mathe gerade methodische Verfahren zu Funktionen, die ich in Glückstadt am Gymnasium in der 9. Klasse durchgenommen hatte. Fünf Fächer durfte ich mir aus einer Auswahl von 40 aussuchen. Ein Kurs Englisch als 2. Fremdsprache und ein Kurs Mathe von insgesamt fünf mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sind für Austauschschüler aus Deutschland allerdings Pflicht. Da sich manche Kurse von der Zeit her überschneiden, konnte ich noch Business Management, Physical Education und Food Technology wählen. Das Fach Sport besteht zur Hälfte aus Theorie, die auch abgetestet wird.

Was mich am meisten verblüfft, ist, dass es fast keine Verständigungsprobleme gibt. Ich habe von Anfang an sehr viel verstanden und nach drei Wochen muss ich beim Sprechen nicht mehr überlegen, es kommt alles von selbst. Ich hatte nicht vermutet, dass das Leben in einem anderen Land schon nach kurzer Zeit so großen Einfluss darauf haben kann.

Mein Tagesablauf sieht während der Woche folgendermaßen aus: 6:45 Uhr - aufstehen; 8:10 Uhr - Schulbeginn; 15:15 Uhr - Schulschluss. Jeden Tag nach der Schule fahre ich gemeinsam mit meinen Freunden in die Stadt, dort essen wir Mittag oder genießen den einen oder anderen Kaffee; der Rest des Tages ergibt sich in der Regel spontan. In der Schule sind sehr viele Nationalitäten vertreten. Ich habe schon so einige nette Mitschüler kennen gelernt. Hauptsächlich verbringe ich meine Freizeit mit drei Brasilianern, einer Afrikanerin, einer Schweizerin, zwei Chinesen und zwei Deutschen, mit denen ich aber auch nur auf englisch kommuniziere.

Das Wochenende wird entweder zum Ausgehen mit Freunden, Besuchen von Veranstaltungen, wie Football oder Kino, genutzt oder mit Ausflügen verbracht. Wir treffen uns und fahren zum Beispiel nach Melbourne und genießen die Stadt in vollen Zügen. Melbourne ist eine schillernde Metropole: Kunst an jeder Ecke, freundliche Menschen, super Shoppingmöglichkeiten, „kulinarische“ und musikalische Erlebnisse, wie Essen in Chinatown und Besuch des Hard Rock Cafes. Aber auch meine Gasteltern unternehmen viel mit mir. Sie haben mir z. B. Phillip Island gezeigt, 90 Autominuten von Melbourne entfernt. Es ist die Heimat der Zwergpinguine, auch Koalas gibt es dort. An diesem Tag hatte ich besonders viel Glück, denn ich sah zusätzlich mein erstes Känguru und zwei Wale, die in der Bucht auftauchten.

Da ich Australien jetzt schon vermisse, wenn ich daran denke, dass ich wieder zurückfliegen muss, habe ich eine „Central Australia“ Tour gebucht, um noch mehr vom riesigen Australien zu sehen. Anschließend haben mich meine Gasteltern noch für eine Extrawoche eingeladen. Im nächsten Jahr wollen sie das Oktoberfest in München besuchen. Bei dieser Gelegenheit kommen sie auch zu uns nach Herzhorn. Darauf freue ich mich besonders, weil dann auch meine Eltern die Gelegenheit haben werden, Mel und Joel kennen zu lernen.

Mir ist klar, dass ich hier etwas ganz Besonderes und Einzigartiges erleben darf und danke daher allen, die es möglich gemacht und mich auf den Weg gebracht haben. Ebenso danke ich allen, die mit mir Kontakt halten.

Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl und möchte gerne eines Tages wiederkommen.

Tobias Dumrese

Frankston High School

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