Gatineau: Melanie Gräßner

Mein Leben in Québec, Canada

Fast vier Monate bin ich jetzt schon hier in Québec und es gefällt mir wirklich gut. Ich habe viele nette, interessante Menschen kennengelernt und viel gesehen und erlebt. Ich bin sehr froh, dass ich mich entschieden habe ein Jahr ins Ausland zu gehen!

Ich wohne hier in der Nähe von Ottawa, mit meinen beiden Gasteltern und einem Hund. Meine Gastfamilie ist total nett und unternimmt auch viel mit mir. Wir haben zum Beispiel schon ein Wochenende in Québec City verbracht, sind ins Restaurant oder ins Kino gegangen…

Bevor ich hierher gekommen bin, habe ich mir sehr viele Sorgen gemacht, keine Freunde zu finden. Aber gleich am ersten Schultag habe ich hier supernette Freunde gefunden! Eine Woche später hat mich eine Freundin zu ihrer Geburtstagsfeier eingeladen und seitdem haben wir wirklich so gut wie jedes Wochenende mit der ganzen Clique etwas unternommen. Wir sind eine Clique von fünf Mädchen und zwei Jungs und ich finde, dass ich hier die nettesten Freunde habe, die ich je hatte! Es macht einfach total Spaß!

Ich habe aber auch noch Freunde in meinem Tanzkurs, in meinem Schulbus und auch im Rest der Klasse. Ich glaube aber, dass es mir auch noch nie so wirklich schwer gefallen ist, neue Freunde zu finden. Man muss natürlich schon ein bisschen auf andere Leute zugehen, lächeln und vor allem mit ihnen reden. Aber die Leute gehen auch auf einen zu und interessieren sich für einen. Was mich total erstaunt hat, ist dass sich sehr viele hier wirklich für Deutschland interessieren und Deutsch lernen wollen! Es ist wirklich lustig es ihnen beizubringen, weil die Aussprache ihnen einige Probleme macht. Vorher hätte ich nie gedacht, dass Deutsch eine interessante Sprache ist…

Als ich mich für das Auslandsjahr beworben habe, war meine größte Sorge, vielleicht in einem kleinen Dorf zu landen, da ich schon immer ein Stadtkind war. Jetzt wohne ich hier in der Nähe von Ottawa, immerhin die Hauptstadt Kanadas! Ich wohne in Gatineau, was eigentlich zu Ottawa gehört, es ist nur die französische Seite. Ottawa ist natürlich super um etwas zu unternehmen, wie zum Beispiel shoppen oder ins Kino zu gehen mit Freunden.

Ich finde es super, dass ich hier so dicht an der Grenze zu Ontario wohne, denn viele Leute sprechen hier auch Englisch. Meine Schule ist zwar frankophon aber trotzdem sprechen viele Leute an meiner Schule Englisch. Dann kann ich mal mit ihnen Englisch sprechen und trainiere so gleich zwei Sprachen. Englisch ist hier schon sehr präsent, (z.B. im Fernsehen, Zeitungen oder auch Kino) und auch in der französischen Sprache hier gibt es viele Anglizismen.

Insgesamt ist es wirklich multikulturell hier: Meine Freunde kommen aus allen Ecken der Welt, was ich super finde, weil ich mich schon immer sehr für andere Länder und Kulturen interessiert habe. Ich habe hier wirklich viele wirklich nette und interessante Menschen kennengelernt.

Was meine Hobbys angeht: In Deutschland habe ich immer sehr gerne getanzt, was ich hier jetzt auch weiterhin tue. Ich habe einen HipHop und einen Contemporary Tanzkurs in Ottawa und einen Standard Tanzkurs in der Schule. Im Winter werde ich jetzt mit Snowboardfahren anfangen.

Ansonsten unternehme ich sehr viel mit meinen Freunden, aber ich arbeite auch sehr viel für die Schule. Das ist das Einzige, was mich hier wirklich stört: Dass ich superviel für die Schule zu tun habe. Außerdem ist meine Gastfamilie sehr streng, was das Lernen angeht. Für sie ist die Schule das Einzige und das Wichtigste im Leben. Wenn ich gut in der Schule mitarbeite und gute Noten bringe, dann erlauben Sie mir, mich mit Freunden zu treffen, auszugehen oder ähnliches. Dabei zählen die Zensuren hier in Québec für meine Noten in Deutschland überhaupt nicht. Ich muss in Hamburg nach meinem Auslandsjahr zwei Jahre die Oberstufe des Gymnasiums besuchen und kann nicht etwa das 11. Schuljahr durch gute Noten einsparen.

In meinem ersten Zeugnis hier habe ich aber trotzdem wirklich gute Noten gehabt: Ich lag in allen Fächern außer Chemie über oder im Durchschnitt! Trotzdem finde ich, dass ich hier wirklich sehr viel zu tun habe. Das liegt wahrscheinlich aber auch daran, dass ich im Programme École Internationale bin. Dieses Programm ist das arbeitsintensivere und schwierigere Programm in der Schule, aber es hat große Vorteile: Da es so etwas wie eine Klasse ist, gibt es eine Klassengemeinschaft, man ist oft mit den gleichen Leuten in einem Kurs und so ist es wesentlich einfacher Freunde zu finden!

Obwohl ich hier so gute Noten habe, hat meine Gastfamilie es mir verboten eine Reise zu machen, damit ich nicht so viel Schule verpasse! Sie haben mir aber zwei andere Reisen erlaubt, auf die ich mich jetzt schon total freue: Eine Reise mit ASSE nach Kalifornien und eine Reise mit der Schule nach New York! Natürlich hatte ich hier auch mal Heimweh oder ein bisschen Streit mit meiner Gastfamilie, aber das gehört dazu und das geht auch alles vorbei.

Insgesamt würde ich sagen, dass jeder andere Erfahrungen macht, und dass so ein Auslandsjahr bei niemandem gleich läuft. Es ist aber auf jeden Fall super interessant; man lernt neue Leute kennen, sieht etwas von der Welt, macht neue Erfahrungen… Es ist wirklich spannend. Ich würde es auf jeden Fall, jedem empfehlen ein Jahr ins Ausland zu gehen!

Und noch ein Tipp: Mit der Bewerbung sollte man sich wirklich Mühe geben, weil es das ist, wonach die Gastfamilie einen aussucht. Meine Gastfamilie hat mir erzählt, dass sie mich aufgenommen haben, weil ihnen meine Bewerbung sehr gut gefallen hat. Sie hatten den Eindruck, dass ich wirklich gerne nach Québec kommen wollte. Außerdem haben sie gesehen, dass ich mich für viele verschiedenen Dinge interessiere und viele Hobbys habe…

Melanie Gräßner

Gatineau, Québec