Salt Spring Island: Carlotta Sch.

Mein Name ist Carlotta, ich bin 17 Jahre alt und ich war für 8 Monate auf der wunderschönen Insel Salt Spring Island zuhause. Es war die beste Zeit meines Lebens und ich würde mich immer wieder dafür entscheiden. Es ist schwer vorstellbar wie viel man über sich selbst lernt und wie schnell man erwachsen wird wenn man eine längere Zeit fern ab von der Heimat auf sich selbst gestellt ist, aber es ist einfach eine wahnsinnig tolle Erfahrung!

Am 1. Dezember ging es für mich los, zwar ein bisschen später als geplant durch eine Operation die unbedingt vor meinem Auslandsaufenthalt durchgeführt werden musste, aber dennoch war die Freude riesen groß, da es diesmal wirklich klappen sollte. Bei der Einreise nach Kanada gab es einige Probleme, weil bei der „Immigration“ eine so lange Schlange war, dass ich 3 meiner Anschlussflüge, die stündlich nach Victoria geflogen sind, verpasst habe und, da ich zu einer außergewöhnlichen Jahreszeit geflogen bin, ich auch keinen Begleiter hatte. Das alles war aber nicht weiter schlimm. Ich habe meine Gastmutter angerufen und diese hat mich dann einfach später am Flughafen in Victoria abgeholt und mich ganz herzlich empfangen, sodass wir noch die letzte Fähre nach Salt Spring Island bekommen haben. Als ich nach 24 Stunden Reise dann endlich bei meiner Gastfamilie ankam, habe ich nur noch meine japanische Gastschwester, die auch Austauschschülerin war, und meinen Gastvater kennengelernt und meine zwei Brüder im Alter von 13 und 14 am nächsten Morgen.

Mein erster Tag war ein Freitag. Ich musste aber zum Glück nicht gleich in die Schule, da auf Salt Spring Island freitags kein Unterricht stattfindet. Am ersten Schultag montags nach dem Wochenende hat meine Gastmutter mich noch durch die Schule geführt, da ich ja die einzige war, die neu angekommen war, was mir natürlich teilweise dabei geholfen hat Freunde zu finden, da ich überall „die Neue“ war und nicht mit den ganzen anderen „internationals“ angekommen war, die natürlich aber auch schon sehr viel zusammen ohne mich erlebt hatten was auch nicht immer einfach für mich war.

Meine Gastfamilie hat während der ganzen Zeit immer etwas mit mir unternommen und ich war stets willkommen an Familienaktivitäten jeglicher Art teilzunehmen. Wir sind dreimal über das Wochenende weggefahren, zweimal nach Vancouver und einmal nach Tofino, zum surfen.

Die letzten 3 Monate war ich mit meinem Gastbruder in einem Schwimmteam, was zwar nicht von der Schule war und daher extra bezahlt werden musste, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe viele Freunde gewonnen dadurch und es waren auch nur Einheimische in diesem Team und am Wochenende bin ich mit dem Team und meiner Gastfamilie zusammen auf Wettkämpfe gefahren. Es war einfach toll wie ich in dieser Gemeinschaft aufgenommen wurde und wie mich alle angefeuert haben wenn ich geschwommen bin. Man hat sich richtig dazugehörig gefühlt dafür musste ich aber auch viel trainieren, jeden Abend Montag bis Donnerstag und Freitag – beziehungsweise Mittwoch morgen.

Ich habe so viele tolle Sachen mit meiner Gastfamilie erlebt, vor allem mit meiner Gastmutter, sie war wie eine gute Freundin für mich. Wir haben auch immer noch Kontakt über Facebook und Briefe und ich will meine Gastfamilie und Freunde auf jeden Fall wieder besuchen. Daher auch ein Tipp: unbedingt kanadische Freunde suchen und keine deutschen, zum einen natürlich weil ihr da seid um Englisch zu lernen, aber ihr könnt auch auf einmal alle eure Freunde und eure Gastfamilie besuchen und nicht jeden einzeln mit dem Zug in Deutschland. Auch wenn es am Anfang schwerfällt wenn ihr offen seid und auch auf die Leute zugeht findet ihr ganz schnell Anschluss.

Die Schule ist dort deutlich lockerer als in Deutschland dennoch wurde ich gut auf die Jahrgangsstufe Q1/2 vorbereitet, vor allem in Mathe. Ich hatte in Kanada das Fach Calculus12 gewählt was sehr anspruchsvoll war und ich mich ziemlich durchbeißen musste aber es hat sich gelohnt denn jetzt habe ich einen deutlichen Vorsprung gegenüber den anderen bei mir in Mathe obwohl ich vorher immer Probleme mit Mathe hatte. Ich hatte außerdem noch die Fächer Chemistry12, English12, Dance und Art. In Englisch den schwersten Kurs zu nehmen war eine gewagte Entscheidung aber mit ein wenig Anstrenung gut zu meistern und hat mein Englisch auch schriftlich sehr verbessert. Mit Chemie hatte ich aber so meine Probleme, da Chemie in Deutschland ganz anders aufgebaut ist. Ich würde daher empfehlen eher Biologie oder Physik zu nehmen.

Es gibt zudem eine sehr große Auswahl an nicht-akademischen Fächern, die sehr viel Spaß und Erfahrung bringen, wie zum Beispiel Dance, Woodwork, Media Arts oder Design und ich würde empfehlen wenigstens eins zu belegen. Ich hatte ein Halbjahr lang Dance und es hat mir sehr viel Spaß gemacht und gegen Ende des Halbjahres gibt es immer eine Aufführung. Wir haben aber auch so an einem Wettbewerb teilgenommen in Victoria, bei dem verschiedene Gruppen gegeneinander angetreten sind. Kunst ist in Kanada nicht so theoretisch wie in Deutschland, es werden viele praktische Arbeiten gemacht was für mich eine sehr willkommene Abwechslung war. Das Verhältnis zu den Lehren ist fast freundschaftlich. Sie sind sehr nett, verständnisvoll und hilfsbereit. Die Atmosphäre an der Schule ist wie in einer großen Familie.

Die Insel an sich ist eher klein aber sehr familiär, jeder kennt jeden. Wo ich gewohnt habe gab es leider keinen Schulbus aber meine Gastmutter hat uns morgens in die Schule gefahren und mein Gastvater nach der Arbeit wieder mit nachhause genommen. Wir haben das Fahren am Abend vorher immer so geplant, dass es einige Möglichkeiten gab in die kleine „Stadt“ Ganges zu kommen oder zu Freunden gefahren zu werden. Daher waren die fehlenden öffentlichen Verkehrsmittel die meiste Zeit kein Problem. Zumal man auch oft von Freunden mitgenommen werden konnte, dadurch dass der Führerschein in Kanada ab 16 ist und es zu manchen Teilen der Insel auch Busverbindungen gab. Wenn es keine andere Möglichkeit gab konnte man die Stadt auch in einer Stunde zu Fuß erreichen oder in 20 Minuten mit dem Fahrrad.

Ich hoffe ihr habt einen guten Einblick in mein Auslandsjahr bekommen. Ich kann jedem empfehlen diese Erfahrung selbst zu machen, ihr werdet nicht enttäuscht werden!

Carlotta Sch.

Gulf Island Secondary School, Salt Spring Island, British Columbia