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Thore Müller berichtet aus St Theophile De Beaunce (Kanada)

Bonjour! Mein letztes Schuljahr habe ich nicht wie gewohnt in Deutschland verbracht. Nein, ich war stattdessen ein Jahr in Québec zu Hause. Das war die beste Entscheidung meins Lebens. Ich habe bei einer sehr netten Gastfamilie gewohnt, viele neue Freunde gefunden und einen Haufen neuer Erfahrungen gemacht, die mich sehr viel weiter gebracht haben.

Quebec: diese riesige, dünn besiedelte Provinz im Osten Kanadas (Mehr als viermal größer als Deutschland, aber nur etwa sieben Millionen Einwohner) ist für ein Jahr zu meinem Zuhause geworden. Ich wohnte in einem 800 Einwohner Ort, St-Théophile de Beauce, im Süden der Provinz, kurz vor der Grenze zu den USA. 800 Einwohner, das hört sich nach wenig an, es ist aber der Durchschnitt in der Gegend, in der ich war. Und es hätte auch wesentlich schlimmer kommen können.

Gleich zu Beginn fiel mir die große Gastfreundschaft der Kanadier auf. Ich wurde sehr nett aufgenommen und schnell in den Alltag integriert. Natürlich gab es am Anfang einige Verständigungsschwierigkeiten, bedingt durch mein nicht ganz so perfektes Französisch. Aber das hat sich sehr schnell gegeben. Ich würde sagen, es dauert einen Monat, bis man zurecht kommt mir der Sprache, zwei weitere Monate bis man das allermeiste versteht und dann noch mal zwei oder drei Monate, bis man überhaupt nicht mehr darüber nachdenken muss, weder beim Sprechen noch beim Lesen oder Zuhören. Dann fängt auch das Deutsche an, sich komisch anzuhören. Natürlich vergisst man seine Muttersprache nicht, aber man bekommt Schwierigkeiten, schnell wieder auf Deutsch umzustellen. Eine sehr ungewöhnliche, aber auch interessante Erfahrung, die ich gemacht habe.

In der Schule war es alles in allem etwas einfacher als in Deutschland, was das Gesamtniveau betrifft. Und das trotz 100% französischem Unterricht. Das liegt daran, dass in Kanada alle Schüler bis zur 11. Klasse auf eine gemeinsame École Polyvalente gehen und nicht wie bei uns nach Können aufgeteilt werden. Andere Unterschiede in der Schule sind, dass der Schultag jeden Tag gleich und erst um 16:30 Uhr zu Ende ist. Ein Tag besteht aus vier Stunden (je 75 Minuten) und einer anderthalbstündigen Mittagspause zum Essen in der Cafeteria. Ebenfalls anders ist, dass der Stundenplan nicht fünf Tage beschreibt, also jeden Montag neu beginnt, sondern neun Tage umfasst, was schon mal sehr verwirrend sein kann. Jeder Schüler hat sein eigenes Schließfach in der Schule, wo er seine Schulsachen unterbringt. So kann man das Meiste in der Schule lassen. Hausaufgaben gibt es eh nur wenige.

Der Unterricht besteht im Wesentlichen daraus, den Lehrern beim Reden zuzuhören und danach Aufgaben zu lösen. Einen interaktiven Unterricht gibt es nicht. Am Ende jedes Jahres ab der 7. Klasse gibt es Jahresendprüfungen, die zu 50% über die Jahresendnote entscheiden.

Nach der Schule macht man Sport. Alle Schulen haben ihre Sportmannschaften, die die Ehre der Schule verteidigen. Football, ist dabei der wichtigste Sport. Bei Heimspielen fällt die Schule aus um sich das Spiel anzusehen. Auch ich habe Football gespielt. Und dann gibt es natürlich noch das Eishockey, den kanadischen Nationalsport. Den spielt man aber lieber mit seinen Freunden abends im Ort.

Québec ist ein sehr schönes Land, mit seinen weiten Wäldern. Die Landschaft ist hügelig, mit wenigen höheren Bergen. Doch zum Skifahren reicht es trotzdem. Besonders schön, sind die Wälder im Herbst, wenn diese wirklich rot gelb zu leuchten scheinen. Aber auch der Winter wird in Quebec noch groß geschrieben, und ich war noch nicht mal oben im Norden. Der Winter in Québec dauerte für mich von November bis Anfang Mai, wo noch immer Schnee lag, und auch noch mal welcher gefallen ist. Den ersten richtigen Schnee hatten wir aber erst im Januar, aber dafür direkt einen ganzen Meter. Und dazu Temperaturen von bis zu -35°C. Das ist verdammt kalt.

Obwohl die Québequois sehr gastfreundlich sind, interessieren sie sich eigentlich nicht wirklich für das was außerhalb der Provinz passiert. Das sieht man auch schon daran, das es keine ordentlichen Nachrichten gibt, sondern nur so Pseudo-Nachrichten wie die RTL2 News. Und es wird kaum Zeitung gelesen. Das gilt natürlich nicht für alle, das darf man nicht vergessen, aber doch für die breite Mehrheit. So wurden mir zum Beispiel nur relativ wenige interessierte Fragen über Deutschland gestellt. Außerdem haben die meisten Québequois nicht so wirklich viel Ahnung von Deutschland oder Europa, nur die Namen haben sie mal irgendwo gehört. Demnach sind mir Fragen gestellt worden, wie „Deutschland ist doch einer der 50 Vereinigten Staaten von Amerika, oder?“. Oder mein Liebling: „Schreibt man in Deutschland auch von links nach rechts und mit denselben Buchstaben und Zahlen?“

Aber natürlich gibt es noch andere Unterschiede bedingt durch die Weite des Landes. So können jungen Kanadier zum Beispiel schon mit 16 ihren Führerschein bekommen. Das ist auch nötig, denn in einem Land wie Kanada kommt man ohne Auto nicht weit. Der nächste Ort war in meinem Fall St-Martin mit 1500 Einwohnern und lag 16 Kilometer entfernt. So gut wie alle meiner Freunde hatten ihr eigenes Auto oder haben es über das Jahr hin bekommen.

Außerdem arbeitet man in Québec wesentlich früher. Fast alle meiner Freunde haben ein paar Tage in der Woche nach der Schule gearbeitet. Meist um sich das Auto finanzieren zu können. Gearbeitet wurde in Sägewerken (Bretter stapeln) oder in Supermärkten und Fastfood Restaurants.

Zum Schluss noch etwas zur Sprache: In Québec wird Französisch gesprochen. Nicht jedoch dieses reine und melodische Französisch, wie man es aus Frankreich kennt. Es ist vielmehr ein Dialekt: Québecois für ganz Québec und etwas spezieller in meiner Gegend: das Beauceron. Der Dialekt besteht im Wesentlichen aus vielen aus dem Englischen genommenen Begriffen, sehr zahlreichen Flüchen und dem Verkürzen von Wörtern. Das Frankreich-Französisch wird gar nicht gesprochen und ist fast verpönt, wird belächelt.

Englisch, obwohl Amtssprache in Kanada, wird fast gar nicht gesprochen in Québec. Das liegt wohl auch am Nationalgefühl. Man ist schließlich zuerst einmal Québequois und dann erst Kanadier.

Zum Schluss kann ich sagen, dass ich ein super Jahr in Kanada verbracht habe. Und ich kann es nur jedem raten, der die Gelegenheit dazu hat.

Thore Müller

St-Théophile de Beauce, Québec

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Mit meiner Gastfamilie beim Abschlußball
 
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