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Maria Laub berichtet aus Sainte Julie (Kanada)

Mein Auslandsjahr in Kanada/Quebec begann im Sprachcamp bei Montréal. Ganze 2 Wochen verweilte ich mit ungefähr 50 anderen Gleichgesinnten unter anderem aus Japan, China, Schweden, Finnland und natürlich aus Deutschland. Wir besuchten eine Schule, wo wir typische Alltagssituationen in unserer neuen Heimat übten - quasi Überlebenshilfen Denn wie heißt es so schön - andere Länder, andere Sitten.

In Leistungsniveaus eingeteilt, versuchten wir uns stetig in Französisch zu verständigen - im Unterschied zum Unterricht in Deutschland, konnten wir nicht mehr im Überlegen den Lehrer fragen, was etwas in Französisch heißt, weil die Lehrer im Sprachcamp ausschließlich frankophon waren. Aber das beeinträchtigte nicht im Geringsten den Verständigungs- und Spaßfaktor untereinander. Hier wurde uns zum ersten Mal bewusst, dass das Schulklima komplett anders ist als hier zu Lande. Die Lehrer waren wie Freunde für uns, was sich dann später, als wir in unseren echten Gastfamilien und auch in den anderen Schulen waren, fortsetzte. In den zwei Wochen erlebten wir schon gewaltig viel. Vormittags war Schule, nachmittags machten wir Ausflüge, zum Beispiel nach Québec City oder Montréal, in ein riesen Erlebnisbad (wo ich die bisher extremsten Wasserrutschen fuhr), in Sportcentren,… oder auch einfach zu einem gemeinsamen Grillabend. So verflog diese Zeit im Nu, sodass wir uns schon auf unsere Gastfamilien in Aufregung vorbereiten konnten.

Verstreut in ganz Quebec, vom kalten Norden bis zum Großstadtlebens des Südens, starteten wir nun unser Jahr. Mich verschlug es nach Sainte-Julie, nicht weit von Montréal entfernt. Ich hatte Glück, weil es genau dem entsprach, was ich mir wünschte. Andere hingegen strebten genau das Gegenteil an - sie wollten eher in die zugeschneite Gaspesie, der Gegend um den Labradorsee, wo die Menschen kilometerweit entfernt voneinander leben (das wurde mir erzählt).

Ich wohnte bis zuletzt mit Iréne, einer 66-jährigen Frau, in unserem Haus. Das war eine ungewohnte Situation für mich, aber keineswegs ein Hindernis, eher eine von etlichen Erfahrungen, die man in einem solchen intensiven Jahr durchlebt. Ihr Alter sagt an der Stelle nicht viel aus, sie war fit und ich sah als meine Gastmutter, nicht als Gastoma. Sie war verwitwet und lebte allein in einem für die Verhältnisse enorm großen Haus. Da sie durch das Rentnerdasein besonders viel Zeit hatte, kümmerte sie sich wahnsinnig gut um mich. Ihre Küche ist definitiv die beste, von der ich je aß. Zu Beginn hatte ich Angst, dass es Probleme geben könnte, weil ich Veganerin bin und sie nur aus gesundheitlichen Gründen Vegetarierin. Ich hatte schon im Vorherein geklärt, dass ich sonst auch zu Hause für mich selber sorgte, weil ich nicht wollte, dass sie sich Umstände wegen mir macht. So entwickelten sich im Laufe des Jahres unsere legendären Kochabende, bei denen auch mal die Nachbarn und meine Freunde gerne mal vorbeischauten.

Meinen 18. Geburtstag feierte ich auch in Sainte-Julie, was auch dort, genau wie hier zu Lande, die Volljährigkeit bedeutet. Anders als zum Beispiel in den USA üblich, hatte ich somit die Erlaubnis von Iréne, auch mal länger weg zu bleiben und in vielen Dingen uneingeschränkter zu sein. Meine Persönlichkeit wuchs in dieser Zeit, da ich auf mich gestellt war und Iréne glücklicherweise zwar mich noch immer behütete, aber trotzdem meine eigenen Erfahrungen machen ließ. Ich lernte so viele neue interessante Menschen kennen, zum Beispiel den Kunstunis von Montréal, von denen ich auch viel lernte.

Unbemerkt wurde mein Französisch immer besser, bis ich mich absolut problemfrei verständigen konnte. Man kann sagen, dass vielleicht 3 Monate allein benötigt werden, um den Akzent in Québec zu verstehen und sich auch ein Gefühl im Sinne für die Sprache entwickelt. Denn der ist wirklich nicht zu unterschätzen ist, wenn man das französische Französisch gelernt hat. Dann nach einem halben Jahr steckt man mittendrin - man wird flüssiger im Sprechen, sucht nicht mehr so lange die Wörter und schnallt langsam auch die Grammatik. Die restliche Zeit dient dann zur Festigung und zur Erweiterung des Wortschatzes. Das ist aber von Lerntyp, vorheriger Kenntnis und Sprech-, Kontaktfreudigkeit abhängig.

Das Letztere brachte mir viele Freunde und Bekanntschaften, die auch meine Fluchtpunkte waren, wenn es mal schwierig voranging, die Schule ein wenig stresste oder sich mein Heimweh (Liebeskummer) bemerkbar machte. Eins kann euch sagen, wenn ihr dieses Jahr erfolgreich durchsteht und sämtliche Erfahrungen, die ihr erleben könnt, mitnehmt, könnt ihr sicher sein, dass es nur der Beginn eurer Erfolgsspur ist. Ich konnte mir vorher nie vorstellen, allein aus eigener Kraft so viel zu meistern. Mich hat dieses Jahr und vor allem die negativen Seiten (Trennung von Familie/Freunde, Kulturschock, das Alleinfühlen zu Beginn, Angst das eigene Leben zu Hause nicht mehr verfolgen zu können…) wahnsinnig gestärkt. In diesen Momenten dachte ich immer, dass echt alles einfach nur schei*** ist und ich am liebsten den nächsten Flieger Heim nehmen werde. Am Folgetag passierten mir hingegen Dinge, bei denen ich dachte, ich wäre der glücklichste Mensch auf Erden. Diese Achterbahn der Gefühle bereite Probleme, weil ich nicht wusste wie ich damit umgehen sollte. Aber das vergeht! Spätestens, wenn du in der Lage bist, deinen Gefühlen Ausdruck zu geben und auch Freunde findest, die das auch hören möchten.

In der Schule lief es anfangs nur sehr schwer - ich verstand zunächst nichts, fühlte mich überladen und hatte Kopfschmerzen, weil man ja noch alles ins Deutsche übersetzte und noch nicht sofort verstand. Das ist aber normal! Jedem geht das so, es liegt bloß an einem selbst, ehrgeizig zu sein. Je mehr man sich reinhängt, desto schneller ist man in allem integriert. Ich weiß noch, wie ich selber die ersten zwei Monate nur meinen Sprachcomputer in der Hand hatte (ich danke dem Erfinder, denn es spart gewaltig viel Zeit als beim gewöhnlichen Wörterbuchnachschlagen!). Dann vergisst man die Wörter, die man erst vor einer Minuten nachschaute, …also man ist häufig kurz vor dem Verzweifeln. Oftmals musste ich halb Tabu spielen, bis man verstand, was ich wollte - aber selbst das ist keineswegs peinlich, sondern kommt (glücklicherweise) bei den meisten Menschen eher sympathisch an.

In der Zeit machte ich viele Reisen mit der Schule und mit meiner Gastmutter. Ich war einige Tage in Washington, auch in New York, dann mal in Toronto, Ottawa oder auch in Quebec City und natürlich in Montréal. Dadurch, dass Quebec französischsprachig ist, jedoch nur umkreist von anglofonen Ländern, wird in der Schule viel Wert gelegt, dass man sich auch englisch verständigen kann. Meine Angst damals, also noch vor meinem Abflug, bestand darin, dass ich mein Englisch verlieren könnte, aber dies geschah zum Glück nicht. Im Gegenteil - auch das konnte ich verbessern. In Frankreich wäre das nicht der Fall gewesen, denn aus Erfahrung kann ich sagen, dass in den Schulen dort der Englischunterricht eher drittrangig ist.

Ich erwarb erfolgreich mein Diplom, vergleichbar ist der High School-Abschluss in den USA oder hierzulande der Realabschluss. Theoretisch könnte ich nach weiteren zwei Jahren CEGEP (das entspräche etwa der Sekundarstufe 2 in Deutschland) oder auch mit internationalem Abitur kanadische Unis besuchen. Ob ich das machen werde, ist eine andere Frage, trotzdem macht es sich mächtig gut auf dem Lebenslauf.

Zu allerletzt möchte ich in meinem Text noch eine Sache loswerden: Die größte Sorge vor diesem Jahr war die Tatsache, dass ich meinen Freund in Deutschland zurückließ und unsere Wege sich trennen würden. Das bereitete gerade zu Beginn den größten Schmerz. Als ich dann von vielen anderen hörte, dass eine Beziehung unter solchen Umständen erfahrungsgemäß keine Chance mehr hätte, stand ich einige Male kurz davor, mein Auslandsjahr abzubrechen. Kümmert euch nicht um die Erlebnisse anderer! Ich hatte eine Beziehung, bei der ich meinen Freund immer an meiner Seite hatte und wir unser Leben teilten - als wir dann quasi auseinander gerissen wurden, ging es an unsere seelischen Grenzen. Wir standen es kräftegebend durch - hatten so einige Heulkrämpfe vor der Webcam und schrieben die intensivsten Briefe, in denen wir alles gemeinsam verarbeiteten. Wir sind noch immer völlig verknallt wie an dem Tag, an dem wir uns verabschieden mussten. Dieses Jahr ist natürlich auch im Rückblick ein tiefer Krater, der jedoch unsere Partnerschaft auf die Probe stellte und uns unglaublich stärkte. Es ist jetzt etwas anderes, einander zu haben und vor allem wachsen wir noch immer stetig aneinander. Ich hoffe hiermit konnte ich einigen unter euch die Angst nehmen, bevor ihr das Jahr wegen eurem/eurer Geliebten zu Hause abbrecht. Haltet es durch! Oder in anderen (härteren) Worten - nach diesem Jahr werdet ihr schon merken, was ihr einander bedeutet. Und ihr könnt euch sicher nicht mal im Geringsten vorstellen was sich in Laufe der Zeit für eine Wiedersehensfreude entwickelt. In den Tagen vor meiner Abreise explodierte mein Herz fast vor Freude, ich konnte nachts kein Auge mehr zudrücken, weil ich mir immerzu nur vorstellte, wie wir uns am Flughafen in die Arme laufen. Gleichzeitig war die andere Hälfte von mir todunglücklich, weil mir bewusst war, dass das Abenteuer sein Ende nahm und ich von sehr vielen Menschen Abschied nehmen musste.

Jetzt bin ich seit mittlerweile vier Monaten wieder zurück. Ich kann wieder Deutsch sprechen und schiebe nicht mehr ständig französische Wörter dazwischen. Das Fortführen der Schule ist auch kein Problem und wiedereingelebt bin ich auch, so viel hat sich dann doch nicht in einem Jahr verändert- alles steht noch.

Hoffentlich konnte ich euch einen kleinen Eindruck von meinem Aufenthalt geben!

Könnte ich meinen Freund in meine Koffer packen, würde ich es ohne Weiteres immer wieder machen!!

In Nostalgie verfallend,

Maria Laub

Sainte-Julie, Québec

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