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Yvonne Drauschke berichtet aus Saltspring Island (Kanada)

152 Days in Paradise

Nach einem anstrengenden Tag wurde ich am 31.Januar 2010 herzlich von meiner Gastfamilie in Empfang genommen. Ich war also endlich an meinem Ziel angekommen: Saltspring Island.

Saltspring Island ist eine kleine 10.000 Einwohner Insel im Südwesten Kanadas. Sie liegt zwischen dem Festland und Vancouver Island. Saltspring wird von allen, die schon dort waren, als „süße, kleine, schnuckelige Hippie-Insel“ bezeichnet – und das zu Recht wie sich während meines 5 monatigen Aufenthalts herausstellen sollte.

Schon am nächsten Morgen nach meiner Ankunft stand mein erster Schultag an. Nach einigen Verirrungsmanövern auf Grund der anfangs für mich undurchsichtigen Raumnummerierungen hatte ich mich aber schon bald in das Schulleben an der Gulf Islands Secondary School eingelebt. Der Schulalltag war richtig entspannt, denn an meiner Schule mit nur 600 Schülern begann der Unterricht um 8.55 und endete um 16.15 – und das nur 4 Tage die Woche!

War meine Gastschwester Shannon (17) nicht gerade mal wieder zu müde um in die Schule zu gehen, fuhren wir mit ihrem grünen alten Truck bei lauter Rock‘n’Roll Musik zur Schule. An den anderen Tagen sind meine jüngere Gastschwester Carly (15) und ich immer in letzter Minute auf den Bus gerannt, weil zu Hause ja noch lebenswichtige Fragen wie „Soll ich heute Chucks oder Ballerinas anziehen?“ zu klären waren oder unbedingt noch Tee zum mitnehmen gekocht werden musste.

Allerdings wird Pünktlichkeit hier sowieso total überbewertet, was sich jeden Morgen auf die leeren Klassenzimmer im ersten Block auswirkte. Nur meine Mathelehrerin hatte eine fiese Methode entwickelt um Zuspät-Kommer zu erziehen: Sie schloss die Türe zu und diejenigen, die zu spät kamen, mussten solange draußen warten, bis sie fertig war mit reden. Das konnte dann auch schon mal die ganzen 70 Minuten dauern, in denen man sich aber nicht von der abgeschlossenen Tür entfernen durfte – es hat geholfen und irgendwann kamen alle pünktlich.

Der Großteil meiner Tage spielte sich überwiegend in der Schule ab und ich kann euch eines sagen: Ich habe mich jeden Morgen auf die Schule gefreut! (fast unvorstellbar, aber wahr!) Ich fand relativ schnell Freunde in meinen neuen Klassen, meine Lehrer waren supernett und meine Unterrichtsfächer machten mir Spaß – zu meiner eigenen Überraschung hatte ich auch nie keine Lust in Mathe zu gehen, weil es einfach interessant und viel lockerer war.

An meinem 3-tägigen Wochenende war ich dann oft am Strand spazieren, der nur ca. 300m meine Straße runter war, bei Freunden oder in der Stadt. Abends war ich dann auch oft mit Freunden auf einem Berg oder am Strand, beides natürlich mit Lagerfeuer. Als „Stadt“ werden ein paar Häuser bezeichnet, unter denen sich mein Lieblings Coffeeshop „TJ Beans“ befindet. Hier verbrachte ich viele viele Stunden mit Freunden bei einer Chai Tea Latte (das absolut beste Getränk!!) oder einer Heißen Schokolade mit Sahne.

Manchmal hat meine Familie aber auch was mit mir unternommen. So war ich beispielsweise in Parskville und in Qualicum Beach, während den Olympischen Spielen in Vancouver und öfters einmal auf Vancouver Island zum Einkaufen. Selbst das Einkaufen war ein richtiges Abenteuer für mich. Ihr denkt, 10Kg Mehl in einem Sack zu kaufen ist viel? Hier kann man 25Kilo Säcke Reis kaufen! Alles ist hier ungefähr 3mal so groß wie in Deutschland. Selbst die Milch kauft man in 4l Kanistern – und das alles in einem „normalen“ Supermarkt!

Zu meinen besten Erlebnissen zählt aber ein Surfing Trip nach Tofino, wo ich mit einigen anderen Internationals das Surfen lernen sollte. Leider hat es an 3 von 4 Tagen gewindet und geregnet, was das Wasser trotz unserer super-sexy Wetsuits nicht gerade angenehm werden ließ. Am letzten Tag haben es dann aber doch manche geschafft, mehr als 10 Sekunden auf einer Riesenwelle zu surfen, und auch ich konnte mich letztendlich gegen die starken Wellen durchsetzen und wenigstens ganz kurz auf meinem Brett stehen bleiben.

Ein anderer Ausflug mit Internationals war ein Ski Trip auf den Mount Washington auf Vancouver Island. 2 Tage vorher war ich schon mit einem Freund dort zum Snowboarden und hatte gleich Bekanntschaft mit einem kanadischen Baum gemacht, da die Sicht gleich null war. Ungefähr die gleiche Sicht hatten wir auf unserem gemeinsamen Trip. Aber schon während der Fahrt hatten wir unheimlich Spaß und als wir dann oben am Berg angekommen waren und eine Freundin aus Brasilien, zum allerersten Mal in ihrem Leben Schnee sah und fühlte („Oh, I never thought snow is that cold!“) ging der Spaß erst richtig los.

Der andere Teil meines Lebens spielte sich natürlich in meiner Familie ab. Normalerweise aßen wir jeden Tag zusammen Abendessen und unterhielten uns währenddessen über die neuesten Ereignisse, über Sport oder über den Unterschied Kanada-Amerika-Europa (Bezeichnet einen Kanadier niemals als Amerikaner. Sie sind nämlich stolz darauf, KEINE Amerikaner zu sein).

Abends wurde dann täglich „Two And A Half Men“ angeschaut und danach verschwanden Carly und ich meistens in unseren Zimmern, um Hausaufgaben oder irgendetwas anderes zu machen, was doch meist bei Facebook endete.

Laptop oder Fernseher waren bei meiner Familie sowieso nicht wegzudenken. Morgens zum Frühstück lief VIVA, sobald jemand heimkam wurde der Fernseher auch eingeschaltet und es wurde einfach geschaut was gerade kam und oft war es dann eine Serie à la Hotel Zack&Cody - hauptsache der Fernseher war eingeschaltet.

Sobald aber Paul, mein Dad, nach Hause kam, schnappte er sich ein Bier, nahm die Fernbedienung, grinste mich an und sagte „It looks like you were waiting for me to come home so that I can turn on the hockey game for you.“ „Yeah, you’re right! I just don’t want anyone to know that I really love watching hockey! Thanks for turning it on now!” “Oh, you’re welcome, sweetie.” Dazu sollte gesagt werden, dass mein Dad niemals ernst sein konnte und die meisten unserer Gespräche schon nach dem ersten Satz ironisch wurden und so zum Beispiel meine neue ehrliche Begeisterung für Hockey immer ins falsche Licht gestellt wurde.

Oh, zu meiner Familie gehört übrigens neben einem Hund und einer Katze auch unser „Gartenreh Doe“, die jeden Tag in unserem Backyard umherschleicht und mich einmal zu Tode erschreckt hat, als ich auf der Wiese in der Sonne lag, mich aufsetzte und sie nur ca. 3 Meter entfernt stand und mich mit großen Rehäuglein anstarrte.

Das absolute Highlight war aber Shannons Graduation. Die Zeremonie, bei der jeder einzeln aufgerufen wird, zu jedem was gesagt wird und derjenige dann seine „honour roll“ überreicht bekommt, dauerte zwar 2 ½ Stunden, war aber traumhaft schön.

Und an diesem Tag habe ich wie so oft gemerkt, dass ich Saltspring einfach liebe! Ein Mädchen ist ein Hippie und sie kam in einem normalen schicken Kleid, mit Federn und einem Band im Haar, mit zahlreichem Schmuck – und barfuß. Ihr Date, auch ein Hippie, hatte sich passend zu seinen langen blonden Haaren einen Bart angeklebt, einen schwarzen Umhang angezogen und sich ein Hirschgeweih umgehängt – und beide sahen trotzdem unglaublich hübsch aus. DAS ist Saltspring!

Hier leben die Hippies, hier kann man seinen eigenen Stil ausleben, hier geht man barfuß in die Schule (und auch auf seine eigene Abschlusszeremonie), hier herrscht „peace&love“ wo man nur hinschaut. Selbst mich hat die süße kleine Insel, die eigentlich ein eigenes Land sein sollte, da sie einfach nicht mit dem restlichen Kanada zu vergleichen ist, verändert.

Alles in allem kann ich nur sagen, dass es die beste Entscheidung meines Lebens war, 5 Monate auf Saltspring Island, bei einer wunderbaren Familie und mit wunderbaren neuen Freunden zu verbringen. Deshalb habe ich mich auch entschieden, noch einmal zurück zu kommen und im Moment bin ich also in Kanada, um hier meinen High School Abschluss zu machen.

Wer überlegt, selbst für ein paar Monate Auslandserfahrung zu sammeln, dem kann ich nur raten es auszuprobieren.

Das alles hört sich wahrscheinlich ziemlich übertrieben und dahergefaselt an, aber solltet ihr nach Saltspring Island gehen, werdet ihr feststellen, das es sich doch bewahrheiten wird.

Yvonne Drauschke

Gulf Islands Secondary School, Salt Spring Island Januar-Juni 2010

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