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Annick P. berichtet aus Guingcamp Cedex (Frankreich)

Die drei Monate, die ich in Frankreich verbracht habe, waren die besten meines Lebens. Dabei war meine Entscheidung ein Auslandsjahr zu machen keineswegs gut überlegt, sondern mehr eine Spontanreaktion. Eine Freundin war für ein Jahr nach England gegangen und ihre Erlebnisse dort hatten mich total fasziniert, zur gleichen Zeit sprachen wir auch im Französisch-Unterricht über Austäusche. Teilweise ist meine Wahl deswegen auf Frankreich gefallen, außerdem bin ich Halbfranzösin und habe dadurch natürlich einen Riesensprachvorteil. Meine Eltern hätten sich auch dafür entscheiden können in Frankreich zu leben und ich wollte ausprobieren wie dieses „andere“ Leben ausgesehen hätte. Wegen meiner spontanen Entscheidung waren wir ein bisschen spät dran mit dem Bewerbungsschluss und alles ging ziemlich schnell. Nach der schriftlichen Bewerbung kamen noch das Bewerbungsgespräch und einige Arzttermine und dann konnte ich nur noch warten und warten und warten bis ich endlich erfuhr wer meine Gastfamilie war. Zunächst war ich ein bisschen geschockt als mir meine Mutter von ihr erzählte, eine achtköpfige Großfamilie die auf einem Biobauernhof wohnt? Als wir dann die genaueren Informationen bekamen, fanden wir heraus, dass nur noch eins der Kinder dort wohnte, was mich doch etwas erleichterte. Und obwohl ein Biobauernhof in der Pampa, das genaue Gegenteil meines Wohnortes hier ist, hat genau das meinen Aufenthalt letztendlich so toll gemacht. Zum Anrufen war ich dann doch zu schüchtern und so nahm ich erst mal per E-Mail Kontakt zu meiner Gastfamilie auf. Durch Zufall machten wir auch in der Bretagne, wo der Hof liegt, Urlaub und so kam es sogar vor meinem Aufenthalt zu einem Treffen. Der Bauernhof war sehr schön gelegen, ein wenig außerhalb eines kleinen Dorfes. Meine Gasteltern waren sehr nett und ich konnte mich auch schon ein bisschen mit dem Hund anfreunden, vor Hunden habe ich normalerweise ein wenig Angst.

Als der Tag der Abreise gekommen war, machte ich mir dann auch gar nicht mehr so große Sorgen, weil ich die Landessprache sehr gut beherrsche und weil ich ja meine Gastfamilie schon kannte, auch wenn es erst zum Vorbereitungswochenende nach Paris ging. Dafür lief bei meiner Reise alles schief, das schief gehen konnte. Der Zug hatte Verspätung, weshalb der Check-In-Schalter schon geschlossen war, als ich dort ankam. Nachdem ich von einem Schalter zum nächsten geschickt worden war, brach ich schließlich in Tränen aus. Ich rief meinen Vater an und der bei iSt, die sich dann sofort und sehr freundlich um mich gekümmert haben und mir empfahlen ich solle mein Ticket umbuchen. Ab da lief alles wieder glatt, mein Ticket ließ sich problemlos umbuchen und mein Flugzeug kam pünktlich in Paris an, wo ich auch schon erwartet wurde. Im Nachhinein empfinde ich sogar das, als eine gute Erfahrung, weil ich jetzt weiß, dass ich, selbst wenn etwas schief läuft, am Ziel ankomme.

Das Vorbereitungscamp verging dann auch sehr schnell mit vielen Ausflügen, einer lustigen Talentshow und mit Gesprächen mit den anderen Jugendlichen, die aus allen möglichen Teilen der Welt stammte. Wir redeten hauptsächlich auf Englisch, weil ich eine der Wenigen war, die Französisch wirklich fließend beherrschte. Dort lernte ich auch Kyra kennen, eine Kanadierin, die in derselben Gastfamilie wohnen würde wie ich. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und mit ihr war die Zugfahrt in die Bretagne auch nur noch halb so schlimm.

In meiner Gastfamilie fühlte ich mich augenblicklich wohl, das große Haus ganz von Feldern umgeben gefiel mir gut und ich bekam endlich Haustiere: einen Esel, einen Hund, vier Hühner, vier Katzen und mehrere Pferde. Mit meinen älteren Gastgeschwistern die von Zeit zu Zeit zu Besuch kamen, verstand ich mich ausgezeichnet. Die meiste Zeit war außer Kyra und mir nur Anthony da, der ein knappes Jahr jünger war als ich. Wir hatten einen ziemlich ähnlichen Charakter, beide sehr stur, heißblütig und diskussionsfreudig. Nicht unbedingt die beste Zusammensetzung für ein friedliches Zusammenleben. Aber für jeden Streit, kann ich zwei Momente aufzählen in denen wir zusammen lachten.

Dass ich mich mit meiner Gastfamilie so gut verstand, war wirklich ein riesiges Glück. Erstens ersparte es mir eine Menge Heimweh und zweitens hatte ich am Anfang ziemliche Probleme Anschluss in meiner Klasse zu finden. Der erste Schultag verlief so katastrophal wie meine Reise. Mein Sitznachbar sprach nicht mit mir, die zwei Mädchen, die ich ansprach waren nicht besonders freundlich und danach war ich so eingeschüchtert, dass ich mich nicht mehr traute mit irgend jemandem zu reden. Also musste ich alleine in der Kantine essen und zwei Stunden totschlagen, bis der Unterricht wieder anfing. Zum Glück entdeckte ich auf dem Schulhof ein Mädchen, das so eingeschüchtert guckte wie ich und ich nahm noch mal allen Mut zusammen und sprach sie an. Ich erfuhr, dass sie erst kürzlich hergezogen war und auch niemanden kannte. Sie hieß Francia.

Der zweite Schultag war ein Mittwoch und da haben Franzosen nur bis um elf oder zwölf Schule. Mein erster Gedanke, als ich das auf dem Stundenplan feststellte war, nur 4 Stunden in diesem Höllenloch und ich erkor ihn augenblicklich zu meinem Lieblingstag. Doch auch dieser Tag sollte nicht ganz einfach werden, Kyra und ich verschliefen, verpassten den Bus und unsere Gastmutter musste uns zur Schule fahren. Dort erfuhr ich, dass ich die Klasse wechseln müsste, weil eins meiner Wahlfächer nicht mit dem Stundenplan, meiner ursprünglichen Klasse zusammenpasste. Ich hoffte sehr mit Francia in eine Klasse zukommen, aber leider (oder zum Glück?) wurden meine Stoßgebete nicht erhört und ich kannte schon wieder niemanden in meiner Klasse.

Die ersten Wochen waren ziemlich eintönig, ich gewöhnte mich daran in den Pausen alleine herumzustehen, die Mittagspausen mit Kyra und ihren Freunden oder Francia zu verbringen und fieberte auf den Mittwoch und das Wochenende hin. Mittwochnachmittags und am Wochenende unternahmen wir immer besondere Sachen. Je nach Wetter machten wir Spaziergänge mit dem Esel, Fahrradtouren, gemütliche Spiele-Marathons vor dem Kamin, fuhren ans Meer oder schauten uns Filme an.

Einer der schönsten Tage während meines Aufenthaltes war, als ich zum ersten Mal mit Leuten aus meiner Klasse zu Mittag aß. Am Dienstag hatten sowohl Francia und ihre Freundin Mélanie, die auch meine Freundin wurde, als auch Kyra nicht gleichzeitig Pause wie ich und ich musste alleine essen. An diesem Dienstag fragte mich Océane, die meine beste Freundin dort werden würde, ob ich mit ihr und ein paar anderen essen wollte. Natürlich sagte ich ja und nach diesem Tag, verbrachte ich die Pausen nur noch selten alleine.

Ende Oktober waren dann Herbstferien und obwohl die Schule mir, nach dem ich Freunde gefunden hatte, ganz gut gefiel, war ich froh Ferien zu haben. Mit meiner Gastmutter, Anthony und Kyra fuhr ich nach Poitiers, wo wir Anthony bei seiner Oma absetzten und wir bei der Mutter meiner Gastmutter wohnten. Unseren ersten Tag verbrachten wir bei strahlendem Sonnenschein im Futuroscope, ein riesiger Freizeitpark über das Thema Zukunft. Danach wurde das Wetter leider schlechter und unsere Shopping- und sonstigen Ausflüge fanden entweder im Regen oder unter Wolken statt. Anschließend verbrachten wir noch zwei Tage bei einer Freundin meiner Gastmutter in Larochelle. Ihre Tochter war in meinem Alter und mit ihr und einer Freundin erkundeten wir die Stadt. Trotz des eher schlechten Wetters, werden mir diese Ferien für immer in Erinnerung bleiben.

Die letzten Wochen meines Aufenthaltes rasten nur so dahin, es war Herbst geworden und wir ernteten die Äpfel und pressten aus ihnen Apfelsaft. Außerdem waren die Maronen reif und nichts ist so lecker wie frische, heiße Maronen. Ich besuchte meinen letzten Fest Noz. Ein Fest Noz ist eine traditionelle bretonische Party, bei der Crêpes verkauft werden und viel getanzt wird. Und zwar alte bretonische Volkstänze. Die meisten Schritte sind ziemlich einfach und selbst für Tanztrottel wie mich zu machen. Von Kleinkindern bis zum alten Greis sind alle da, die laufen können und alle haben einen Riesenspaß. Und ehe ich mich versehen konnte, war schon mein letzter Schultag da. Am Abend vorher hatte ich noch Macarons als Abschied gebacken, Macarons sind eine Wissenschaft für sich und trotz Backmischung ähnelten meine eher zerlaufenen Klecksen. Meine Klasse freute sich trotzdem und alle versicherten mir, dass sie gut schmecken würden. Im Geschichtsunterricht überreichte mir die Klassensprecherin ein Geschenk mit einem Brief, der von der ganzen Klasse unterschrieben worden war. Da war ich fast so weit loszuweinen, aber ich konnte mich gerade noch zusammenreißen. In Wirtschaft machten wir mir zu Ehre noch eine Debatte und im Italienischunterricht verabschiedete sich meine Lehrerin sehr herzlich, was eine kleine Besonderheit war, weil das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in Frankreich rein „professionell“ ist und außerhalb des Unterrichts kaum miteinander geredet wird.

Ich bin froh, dass ich mich für diesen Aufenthalt entschieden habe und bereue lediglich, dass ich nur drei Monate dort war, was viel zu kurz war. Meine Familie und meine Freunde habe ich natürlich vermisst, aber das große Heimweh blieb aus. Jetzt bin ich schon seit einem halben Jahr wieder hier und ich vermisse meine Gastfamilie und meine neuen Freunde immer noch. Mit manchen bin ich noch in Kontakt, mit andern nicht mehr, aber die Zeit die wir zusammen hatten, war so unglaublich, dass ich sie niemals missen möchte. Auch das Schulpensum, das ich nachholen musste, war dank großer Unterstützung meiner Freunde und Eltern gar nicht so schlimm und die Sachen die ich in Frankreich erlebt habe, kann man einfach nicht in der Schule lernen.

Ich kann einen solchen Aufenthalt nur empfehlen, weil es einen selbstständiger macht, weil man ein Land von einer Seite kennenlernt, die man als Tourist niemals sehen würde und weil man die Sprache so einfach und gut lernt, wie es selbst mit intensivem Sprachunterricht in so kurzer Zeit nicht möglich ist.

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Notre Dame
die Bretagne ist sooo schön...
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